Theresa Révay – Der Himmel über den Linden

Der Himmel über den Linden
Theresa Révay
OT: Tous les rêves du monde
Taschenbuch: 544 Seiten
Verlag: Goldmann Verlag
ISBN-13: 978-3442472956

Paris, Berlin, New York, 1945 – 1955. Xenia Ossolin musste ihrer Tochter Natascha, nachdem sie die Tochter und ihre beiden Pflegekinder aus dem Süden Frankreichs, wohin sie sie in Sicherheit vor den deutschen Besatzern brachte, wieder nach Paris geholt hatte, die Wahrheit sagen. Xenias Mann hatte sich blenden lassen von den Nazis und einträgliche Geschäfte mit ihnen gemacht. Aus Angst vor Verfolgung durch die Behörden, aber auch aus der Erkenntnis heraus, dass seine Frau ihn niemals lieben wird, hatte er sich das Leben genommen. Das musste sie Natascha so schonend wie möglich erklären, aber sie musste ihr auch endlich sagen, dass Gabriel nicht ihr leiblicher Vater war, sondern der deutsche Fotograf Max von Passau.

In diesem Roman erzählt Theresa Révay die Geschichte von Xenia und Max weiter, die Handlung schließt direkt an die des Vorgängerromans an. Die lobenden Worte, die ich schon zu „Die weißen Lichter von Paris“ fand, kann ich auch für diese Fortsetzung nur wiederholen. Die Handlung ist im Berlin und Paris der Nachkriegszeit angesiedelt und der Autorin gelang es ausgezeichnet, dem Leser ein Stimmungs- und Zeitbild dieser harten und schwierigen Zeit zu zeichnen. Umbrüche und Aufbrüche waren nicht nur ein Kennzeichen dieser Epoche, sie waren auch im Leben und den Charakteren der Protagonisten zu finden, als besonderes Beispiel sei hier nur der Neffe von Max, genannt. Der historische Hintergrund war auch in diesem Roman nicht nur pure Kulisse. Die Personen waren mit ihrem Tun und Lassen ins politische und gesellschaftliche Geschehen fest integriert, die entscheidenden historischen Ereignisse waren gekonnt eingearbeitet und die Autorin konnte dem hohen Standard aus dem 1. Teil mühelos wieder gerecht werden. Eine große Stärke der Autorin ist ihre wertungsfreie Erzählweise. Auch wenn sie ihre Protagonisten in die falsche Richtung laufen lässt, erhebt sie nie den moralischen Zeigefinger, sondern zeigt logisch und konsequent die Folgen ihres Handelns auf. Das macht sie besonders menschlich und man kann sich als Leser gut in deren Denkweise einfühlen. Die Personen entstammen den verschiedensten Schichten, sind allesamt sehr gut charakterisiert und bereichern die Handlung durch die unterschiedlichen Lebens- und Sichtweisen.

Mein Fazit: „Der Himmel über den Linden“ ist die gelungene Fortsetzung von „Die weißen Lichter von Paris“. Nur ungern trennte ich mich von Xenia, Max, Natascha, Lilli und Felix. Auch dieses Buch brachte mir sehr schöne Lesestunden mit vielen Einblicken in die jüngere Geschichte. Ich empfehle beide Bücher sehr gern weiter.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)
Theresa Révay, 1965 in Paris geboren und aufgewachsen, studierte französische Literatur an der Sorbonne. Sie veröffentlichte ihren ersten Roman mit Anfang zwanzig. Danach arbeitete sie viele Jahre als Übersetzerin und Gutachterin für verschiedene französische Verlage. „Die weißen Lichter von Paris“ ist ihr dritter Roman in deutscher Übersetzung. Momentan schreibt Theresa Révay an einer Fortsetzung.

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