Andreas Eschbach – Herr aller Dinge

Herr aller Dinge
Andreas Eschbach
Gebundene Ausgabe: 688 Seiten
Verlag: Bastei Lübbe
ISBN-13: 978-3785724293

Bereits als 10-jähriger lernt Hiroshi Kato Charlotte Malroux kennen. Er ist der Sohn der Wäscherin der französischen Botschaft in Japan und lebt in sehr einfachen Verhältnissen. Sein Vater ist ein US-Amerikaner, weder Hiroshi noch seine Mutter haben Kontakt zu ihm, sie wissen nicht einmal, ob er noch am Leben ist. Charlotte lebt als Tochter des französischen Botschafters dagegen mit allen nur denkbaren Annehmlichkeiten. Trotz der großen Unterschiede in den Lebensverhältnissen und dem Widerstand der Eltern freunden sich beide an. Aber Hiroshi hat eine Vision, könnte er diese verwirklichen, wäre die Armut von der Erde verbannt. Sie lässt ihn nicht mehr los und von nun an arbeitet er ehrgeizig an der Realisierung seines Traums. Jahre später trifft er Charlotte wieder, vor allem ihr möchte er beweisen, dass sein Traum Wirklichkeit werden kann.

Der Roman beginnt mit der Kindheitsgeschichte von Hiroshi und Charlotte. Die Handlung plätscherte gemächlich dahin, gut zu lesen, ein Roman eben, der recht unterhaltsam ist. Andreas Eschbach ließ dem Leser viel Zeit, sich in der Welt seiner Protagonisten zurechtzufinden und ihnen zu nähern. Die Figuren und das Leben, dass sie führen, erscheinen realistisch und leicht nachzuvollziehen. Die Charaktere sind vielfältig, nicht unbedingte Sympathieträger oder Gutmenschen. Sie haben erkennbare Vorzüge und Schwächen. Hiroshi ist ein Einzelgänger und Charlotte findet ihren Platz im Leben nicht. Hiroshi wächst heran, beginnt dann irgendwann sein Studium und die ganze Geschichte erschien mir eigenartig einfach, ohne den Eschbach eigenen, besonderen Kick. Aber nach gut 300 Seiten kommt deutlich mehr Spannung in das Geschehen, spürbar verlagert der Autor den Schwerpunkt auf die Vision Hiroshis, die Armut zu besiegen. Damit führt er eine Vielzahl von Themen ein, die zu besprechen einerseits zu weit gehen würde und andererseits zu viel vorweg nehmen würde. Gleichzeitig löst sich Eschbach auf diese Weise vom Stil seiner bisherigen Bücher. Als Leser wird man in dem Sog der Handlung mitgerissen. Man erlebt die Helden als real agierende Wesen in Situationen und Umgebungen, die so kühn erdacht und beschrieben sind, dass sie schon wieder erschreckend deutlich vorstellbar werden. Ich hätte nie gedacht, dass mich ein Roman der schon offensichtlich zukunftsweisend ausgerichtet und mit so vielen wissenschaftlich-technischen Details behaftet ist, je so fesseln würde. „Herr aller Dinge“ ist ein sehr komplexes Werk, bei dem mich besonders die gut durchdachte Themenvielfalt begeistert hat. Keines der Themen stand abstrakt für sich, alle waren miteinander logisch verbunden und wurden schlüssig abgearbeitet. Auch die actionlastigen Szenen passten gut in das Gesamtkonzept des Buches. Vor allem konnte ich endlich von Andreas Eschbach einen Roman lesen, dessen Ende mich wirklich überzeugte, für mich wäre ein anderes undenkbar, allerdings kam das dann auch wieder ein wenig schnell, bedenkt man die vielen Seiten, die der Autor für die Einführung seiner Personen und Ideen nutzte.

Was wie ein Jugendbuch beginnt, entwickelt sich im Laufe der Zeit zu einem rasanten, anspruchsvollen, genreübergreifenden Roman, wie ich ihn bisher noch nicht gelesen habe. Es ist kein Buch für zwischendurch. Man muss bereit sich auf diesen Roman einzulassen. Für mich war es ein Leseerlebnis der besonderen Art.

 Autorenporträt (Quelle: buecher.de)
Andreas Eschbachs schriftstellerische Karriere begann mit einem Umweg: In Stuttgart studierte er Luft- und Raumfahrttechnik, wechselte dann ins EDV-Fach und arbeitete als Geschäftsführer einer IT-Beratungsfirma. Obwohl er schon früh mit dem Schreiben begonnen hatte, erschien sein erster Roman, „Die Haarteppichknüpfer“, erst 1995, als Eschbach bereits 36 Jahre alt war. Dann folgten moderne Klassiker wie „Solarstation“, „Das Jesus-Video“, „Kelwitts Stern“, „Das Marsprojekt“, „Quest“, „Eine Billion Dollar“, „Exponentialdrift“, „Der letzte seiner Art“, „Der Nobelpreis“ oder „Ausgebrannt“. Eschbach wurde mehrfach mit dem „Deutschen Science Fiction Preis“ ausgezeichnet sowie mit dem „Kurd-Laßwitz-Preis“. Auch international ist ihm inzwischen der Durchbruch gelungen, seine Bücher wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt und sind auch in den USA erfolgreich. Eschbach lebt seit 2003 mit seiner Frau in der Bretagne.

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