Maurizio Maggiani – Himmelsmechanik

Himmelsmechanik

Maurizio Maggiani

OT: Meccanica Celeste

Gebundene Ausgabe: 368 Seiten

Verlag: Edition Nautilus

ISBN-13: 978-3894017514

„Wenn wir über das sprechen, was kommen wird, erzählen wir von dem, was gewesen ist, und je weiter wir uns voranwagen, desto mehr graben wir im Vergangenen.“ (S. 57)

Der im gesamten Roman unbekannt bleibende Erzähler zeugte mit seiner Frau Nita in der Nacht, in der Barack Obama zum 44. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt wurde, ein Kind. Nita geht fest davon aus, dass das Kind, sie rechnet fest mit einer Tochter, an Maria Himmelfahrt, am 15. August 2009, zur Welt kommt. In dieser Zeitspanne berichtet der Erzähler über die Menschen und ihre Geschichte(n) in seinem Umfeld, die eng zusammen gehören und eine eingeschworene Gemeinschaft bilden. Dabei sind historische Ereignisse lediglich Eckpunkte der Handlung.

Marizio Maggiani führt den Leser nach Norditalien, in ein Tal, in dem die Uhren noch anders ticken, in dem die Menschen noch Zeit haben und für einander da sind. Er erzählt mit viel Liebe zum Detail vom bescheidenen Leben der einfachen Leute. Mir wuchsen die Dorfbewohner mit ihren Eigenheiten schnell ans Herz. Immer wieder schweifte der Erzähler mit seinen Gedanken ab in die Vergangenheit. Er schwelgt in Erinnerungen und bringt dem Leser damit die Lebensart in der abgelegenen Garfagnana nahe. Er erzählt von den Ereignissen die die Einwohner prägten, die sie zu dem machten was sie sind. Wie mit Hilfe der Himmelsmechanik in der Astronomie die Bewegung von Himmelskörpern beschrieben wird, so beschreibt Maurizio Maggiani die Bewegungen und Beziehungen der Bewohner der norditalienischen Garfagnana für den außerhalb dieses Kosmos stehenden Leser. Schnell hatte ich das Gefühl, der Unbekannte erzählt mir persönlich die Geschichten, die ihm von Land und Leuten wichtig sind.

Dieses Buch ist mehr als nur ein schön geschriebener Roman, es ist eine wundervolle Liebeserklärung an eine Region und deren Menschen mit einer sehr ansprechenden wunderbaren Sprachmelodie. Es enthält ein Glossar und ist von der Gestaltung her sehr ansprechend.

Ich empfehle diesen Roman jedem, der eher die leisen Töne bevorzugt, dem der Sinn nach Tiefe in den Gedanken steht und der Menschen mit all ihren Eigenarten und Schrullen in einer abgeschiedenen Region begegnen möchte. Mit diesem Roman wurde mein Augenmerk auf einen Autor gelenkt, von dem ich mir noch viele ähnlich bezaubernde Bücher erhoffe.

Ich danke Edition Nautilus für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Maurizio Maggiani, geb. 1951 in Castelnuovo Magra, hat u.a. als Gefängnislehrer, Erzieher von blinden Kindern, Fotograf, Kameramann und Regieassistent gearbeitet, bevor er fast zufällig ein erfolgreicher Schriftsteller wurde. Bei Edition Nautilus erschienen der Roman Reisende in der Nacht (2007), die Erzählungen Die Liebe ist ein Schwindel (2004, Literaturpreis »Scrivere per amore«) und der Roman Königin ohne Schmuck (2001).

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