Benjamin Stein – Replay

Ich war immer davon überzeugt, dass eine transparente Gesellschaft auch eine totalitäre Gesellschaft ist.“ – Francois Baroin

 

Ed Rosen, von Geburt an gehandicapt, sein rechtes Auge kann er nicht bewegen und damit nicht räumlich sehen, ist Wissenschaftler mit Leib und Seele. So verwundert es auch nicht, dass er sich als erster Mensch bereit erklärt, sich anstelle seines kranken Auges ein Implantat (Unicom) einsetzen zu lassen und das ständig um neue Features zu erweitern.

Es fiel mir etwas schwer mich in dieses Buch einzulesen. Es wirkte etwas befremdlich auf mich. Aber je weiter ich las, desto mehr gewöhnte ich mich an Sprache und Stil und meine Neugier wurde geweckt.

Der Roman ist in vier Abschnitte untergliedert, zu Beginn eines jeden wacht Ed Rosen auf, um sich sofort wieder in der Vergangenheit zu verlieren. Die Handlung des Buches lebt förmlich von diesen Rückblenden. Nach und nach setzen sich die Puzzleteile zusammen und als Leser bekommt man ein Bild von einer Gesellschaft, in der Transparenz mehr als nur Programm ist, sie wird gelebt in voller Bandbreite, der gläserne Mensch ist Realität und der Überwachung kann man auch in intimsten Momenten sicher sein. Bezugnahmen auf die gegenwärtig bekannten social Networks erhöhen die Authentizität Buches. Durch den gesamten Roman ziehen sich Anlehnungen an Philosophie und Mythologie. „Replay“ ist sehr sachlich geschrieben, Empathie wird dem Leser überlassen. Ich habe interessiert über das Dasein, die Entwicklung und das Umfeld des Ed Rosen gelesen, konnte mit ihm aber nicht unbedingt warm werden. Ungeachtet dessen, fand ich den Roman unterhaltsam. Er regt zum Nachdenken und zum Nachlesen der angeschnitten Themen an. Ob man wirklich alles möchte, was technisch umsetzbar wäre und die Nutzung dessen wirklich ein größeres Glücksgefühl zu Folge hat, muss jeder einzelne für sich entscheiden. Für mich ist dieser Roman keine Utopie, zu vieles von dem, was der Autor thematisiert, wird in absehbarer Zukunft möglich sein bzw. ist es schon jetzt.

Auf dieses Buch muss man sich einlassen können. Ich werde mich im Nachhinein noch etwas mit dem von Benjamin Stein in den Roman gebrachten Konstruktivismus befassen, vielleicht genehmige ich mir danach noch einen re-read von „Replay“ und muss meine aktuelle Bewertung von 3,5 Sternen noch einmal korrigieren.

Über den Autor (Quelle: Amazon.de)

Benjamin Stein, 1970 in Ost-Berlin geboren, arbeitete nach dem Abitur bis zur Wende als Nachtpförtner. Später studierte er Judaistik und Hebraistik. Sein erster Roman erschien 1995. Benjamin Stein arbeitete als Redakteur und Korrespondent diverser Computerzeitschriften und seit 1998 als Unternehmensberater für Informationstechnologie. Er ist Inhaber des Autorenverlags Edition Neue Moderne und betreibt das literarische Weblog ‚Turmsegler‘. Benjamin Stein ist verheiratet, hat zwei Kinder und lebt in München.

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