Bernd Schroeder – Mutter und Sohn

Mutter & Sohn

Bernd Schroeder

Gebundene Ausgabe: 168 Seiten

Verlag: Carl Hanser

ISBN-13: 978-3446204669

 

Johannes Seidel (57 Jahre alt) ist Architekt, er entwirft Industriehallen und hätte doch lieber ein Haus für Lisa und sich entwerfen sollen. Aber Lisa hat ihn vor vier Wochen verlassen. Er liebt sie, sie fehlt ihm. Warum hat Lisa ihn eigentlich verlassen und nicht seine Mutter? Die nimmt ihn doch sowieso nicht wahr. Ihr Lebensmittelpunkt ist die vor 30 Jahren verstorbene Tochter Franziska, die für die Mutter immer noch weiter lebt. Sein Arbeitgeber nimmt die Tatsache, dass Johannes jetzt ungebunden ist, als Vorwand, ihn nach Brasilien ins Zweigwerk zu versetzen. Aber just in diesem Moment sitzt Mutter Seidel im Rollstuhl und hofft auf Johannes Hilfe. Ohne Lisa ist aber auch der hilflos.

Nach nur wenigen Seiten beginnt ein fast durch das gesamte Buch führender Dialog zwischen Mutter und Sohn, den das Leben geschrieben zu haben scheint. Witzig, bissig, immer zwischen Komödie und Tragödie schwankend erzählt Bernd Schroeder die Geschichte um Johannes Dilemma, seine zwei Frauen und seine beiden Probleme. Dabei machen es sich Mutter und Sohn gegenseitig schwer. Beide sind mit ihren Macken ein wenig einförmig, aber andererseits auf ihre etwas spezielle Art liebenswert. Und gerade weil dem Leser so manche Situation scheinbar bekannt vorkommen mag, möchte man beide aufrütteln, ihnen ins Gewissen reden und verhärtete Fronten aufweichen. Dabei ist man auch als Leser nicht sicher ob sich beide nun lieben oder eher hassen, ob sie sich gegenseitig brauchen oder doch eher nicht. Sie versuchen jedenfalls alles, sich misszuverstehen und das Gesagte falsch auszulegen. „Mutter Sohn“ ist in einer absolut natürlichen Sprache geschrieben, es ist nichts Verkopftes darin zu finden, sondern einfach nur Johannes Alltag. So sind die 168 Seiten schnell gelesen, aber auch wenn das Buch wieder im Regal steht, wirkt es in den Gedanken noch nach. Überrascht hat mich dann doch der Schluss. Diesen werde ich aber selbstverständlich nicht näher ausführen.

„Mutter & Sohn“ war ein unterhaltsames und glaubwürdiges Buch, das mir einen Abend entspannte Lesestunden beschert hat.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Bernd Schroeder, geboren 1944, studierte Theaterwissenschaft und Germanistik in München. Seit 1970 arbeitet er als freier Autor. Bis 1992 hat er vorwiegend Fernseh- und Hörspiele geschrieben, u.a. die ersten Drehbücher für Wolfgang Petersen. 1985 erhielt er den Adolf-Grimme-Preis, 1992 den Deutschen Filmpreis. Seit 1993 hat er verschiedene Romane veröffentlicht („Versunkenes Land“, „Unter Brüdern“, „Die Madonnina“, „Mutter & Sohn“ und den Erzählband „Rudernde Hunde“ in Zusammenarbeit mit Elke Heidenreich). Er lebt in Köln.

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