Carol Birch – Der Atem der Welt

Der Atem der Welt

Birch, Carol

Originaltitel: Jamrach’s Menagerie

Gebundene Ausgabe: 395 Seiten

Verlag: Insel Verlag

ISBN-13: 978-3458175445

 

 

Kurzbeschreibung (Quelle: amazon.de)

Jaffy Brown wächst in ärmlichen Verhältnissen auf: Londons Docklands im Jahr 1857 stinken nach Moder und Unrat, sind bevölkert von Matrosen und Huren. Eines Tages begegnet Jaffy einem aus einer Menagerie entlaufenen Tiger, einem herrlichen Geschöpf auf geschmeidigen Pfoten. Eine Begegnung, die ihn in eine fremde, verheißungsvolle Welt voll exotischer Schönheit, wilder Tiere und wundersamer Geschöpfe versetzt. Und die in Jaffy Sehnsucht nach der Weite des Meeres weckt: Mit seinem besten Freund Tim heuert er auf einem Walfänger an, der sie auf eine abenteuerliche Reise führt, tief hinein in die Stürme des Indischen Ozeans. Und schließlich an die Grenzen der Welt und ihres Menschseins. Carol Birch erzählt ihren aufwühlenden Roman mit herausragender Erfindungsgabe, gepaart mit einer leuchtenden sprachlichen Kraft – im Kopf das wogende Meer. Ein Gesang der Geister über den Wassern, von der Verlorenheit auf hoher See und von einer bewegenden Freundschaft, die selbst das Unfassbare überdauert.

Meine Meinung

Carol Birch führt ihre Leser nach London in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Ein wenig lebte in meiner Fantasie die Welt des Charles Dickens auf. Ich lese Romane, die in dieser Zeit angesiedelt sind, an sich sehr gern und selten hat mich einer so zwiegespalten zurückgelassen wie dieser. Den Erzählstil der Autorin mochte ich. Durch die Verwendung vieler Adjektive erscheint die erzählte Geschichte sehr plastisch und man kann sich die Gegebenheiten sehr gut vorstellen. Andererseits hätte ich manches gern noch ausführlicher beschrieben gehabt, so zum Beispiel die Kindheit des Jaffy Brown in den Londoner Docklands. Es fiel mir auch etwas schwer, mich in den Roman einzulesen. So richtig einfangen konnte mich Carol Birch erst zum Zeitpunkt des Schiffbruchs. In diesem Abschnitt waren die Personen besonders gut charakterisiert, so wie im echten Leben in Notsituationen die Charaktereigenschaften besonders gut sichtbar werden, so empfand ich das auch in diesem Fall. Ungeschönt und psychologisch gekonnt wurden die Ängste und Gewissenskonflikte der Protagonisten dargestellt und manch harte Szene musste der Leser verdauen, Szenen, die nahe gingen und in denen auch Abscheu aufkommen konnte. Die Walfangkapitel erinnerten mich sehr an Moby Dick, konnten aber in ihrer Intensität nicht mit dem Klassiker mithalten. Im Nachwort wurde dann auch deutlich, auf welchen wahren Begebenheiten der Roman fundiert und die Parallelen zum Werk von Melville wurden verständlicher.

So hin- und hergerissen, wie ich beim Lesen des Romans war, bin ich auch bei dessen Bewertung, weil ich nicht an handfesten Fakten festmachen kann, was mich gestört hat. Vielleicht waren die Erwartungen meinerseits zu hoch, vielleicht war es das falsche Buch zur falschen Zeit. In Anbetracht der wirklich schönen Beschreibungen von Menschen, Tieren, Begebenheiten und Umwelt vergebe ich 3,5 von 5 Sternen.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Carol Birch, geboren 1951, hat bereits mehrere Romane veröffentlicht und wurde unter anderem mit dem David Higham Award ausgezeichnet. Mit Der Atem der Welt stand Birch auf der Shortlist des Man Booker Prize 2011. Birch lebt in Lancaster.

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Eine Antwort zu Carol Birch – Der Atem der Welt

  1. buzzaldrinsblog schreibt:

    Schade, dass der Roman dich nicht ganz begeistern konnte. Ich kenne so etwas aber, mir passiert das häufig, wenn ich besonders hohe Erwartungen an ein Buch habe, wie z.B. an die Tigerfrau, da erging es mir ähnlich und ich konnte auch nicht den Finger darauf legen, was mir nicht gefallen hat.
    „Der Atem der Welt“ hat mir ja ausgesprochen gut gefallen, vor allem auch die Tatsache, dass der Roman auf wahren Begebenheiten beruht hat mich begeistert. Nur mit manchen Szenen hatte ich Schwierigkeiten, besonders mit den Walschlachtungsszenen …

    Ich sende dir liebe Grüße
    Mara

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