Tom Wolfe – Back to Blood

Back to BloodTom Wolfe Gebundene Ausgabe: 768 Seiten Verlag: Karl Blessing Verlag  ISBN-13: 978-3896674890

Back to Blood
Tom Wolfe
Gebundene Ausgabe: 768 Seiten
Verlag: Karl Blessing Verlag
ISBN-13: 978-3896674890

Kurzbeschreibung (Quelle: amazon.de)

Das Fegefeuer der Eitelkeiten für das 21. Jahrhundert

Clash of Cultures unter karibischer Sonne: eine brillante und bissige Satire auf den menschlichen Umgang mit gesellschaftlicher Realität.

Die Freiheit ist nur 20 Meter entfernt für den kubanischen Flüchtling, der sich auf den Mast einer Luxusjacht vor Miami geflüchtet hat. Aber dann wird er vor den Augen von Millionen Fernsehzuschauern in einer spektakulären Aktion live verhaftet. Und das ausgerechnet vom netten Nestor, einem Polizisten mit kubanischen Wurzeln, der unter den chauvinistischen Sprüchen seiner weißen Vorgesetzten leidet. Die ganze Stadt ist in zwei Lager gespalten: Für seine Familie und Landsleute ist Nestor ein Verräter, für die Weißen ein Held und Musteramerikaner. Soll der kubanische Bürgermeister ihn suspendieren oder mit Orden schmücken? Versaut ihm dieser Idiot die Wiederwahl?

Genüsslich und packend taucht Tom Wolfe ein in die verrückteste Stadt Amerikas: Miami, wo die Spanisch sprechenden Kubaner inzwischen die Mehrheit, aber die Weißen immer noch das Geld haben. Wo die Jugend am Strand den ewigen Spaß und die Rentner beim Schönheitschirurgen das ewige Leben suchen. Wo die Blutlinien mitten durch den amerikanischen Traum verlaufen.

Meine Meinung

Mit Einwanderern aus Kuba und Haiti, Afroamerikanern, americanos und einem russischem Oligarchen besetzt Tom Wolfe die Hauptfiguren seines Romans „Back to Blood“. Alle sind sie schrill, speziell und alles andere als Normalos und mit ihren Eigenarten erfüllen sie den Roman mit Leben. Aber genauso müssen sie für diese Art von Roman sein. Eine Gesellschaftssatire lebt von Übertreibungen und Überzeichnungen, um auf Missstände und gesellschaftliche Besonderheiten hinzuweisen. Handlungsort dieses Romans ist Miami, die Stadt die von und mit den Immigranten lebt, welche längst die Mehrheit ihrer Einwohner bilden, die Wasp’s aber immer noch das Geld in Händen halten. Im Roman wird gesagt, jeder hasse jeden, alle suchen nach Anerkennung, nach gesellschaftlichem Aufstieg und versuchen diejenigen, die nicht zu ihrer Gruppe gehören, zu demütigen und zu düpieren. Wolfe stellt dieses Aufeinanderprallen der Kulturen in dem melting pot Miami grandios dar. Obwohl ich Miami nicht kenne, konnte ich mir ein wirklich eindrucksvolles Bild vom Leben in dieser Stadt machen. Für die verschiedenen Stadtteile standen die einzelnen Hauptpersonen, ich lernte trostlose Viertel und die Nobelherbergen der Reichen kennen, sah wie die Armen lebten und die Highsociety sich in Orgien erging. Ebenso wurde ich aber auch an die Widersprüche innerhalb der einzelnen Gruppen herangeführt. Da gab es den Exilkubaner, der im Polizeidienst stehend den kubanischen Flüchtling vom Mast einer Yacht holte, bevor er das Festland erreichte und lernte den Psychiater kennen, der sich seine Patienten sicherte, indem er sie immer wieder ihrem Laster zuführte. Wolfe lästert über alle und jeden, er provoziert und hält der Gesellschaft einen Spiegel vor. Er verdeutlicht, dass die verschiedenen Kulturen letztlich zusammenhalten (müssen) und diejenigen es schwer haben, die den schützenden Kreis der Gemeinschaft verlassen. Aus dem Grunde bin ich dem Verlag sehr dankbar, dass auf eine Übersetzung des Titels verzichtet wurde, kein anderer könnte treffender sein.

Vom Erzählstil empfand ich diesen Roman als recht ungewöhnlich. Häufig kommt es zu Einfügungen von Gedanken und und groß geschriebenen, wie geschrien wirkenden Einwürfen. Dadurch wirkt dieser Roman schrill und laut. Aber will der Autor nicht genau dieses Empfinden bei seinem Leser auslösen?

Mir hat „Back to Blood“ sehr gut gefallen. Der Roman wird nicht zu unrecht mit dem großen Werk „Fegefeuer der Eitelkeiten“ verglichen. Er wirkt allerdings wesentlich moderner und ist hoch aktuell. Wollte ich etwas kritisieren, wäre das die ein wenig zu kurz kommende Entwicklung der Protagonisten im Verlauf der Handlung. Da die die Handlung umfassende Zeitspanne aber relativ kurz und der Roman gut durchdacht und aufgebaut ist, fällt dies kaum ins Gewicht. Tom Wolfe lenkt mit „Back to Blood“ das Augenmerk des Leser auf eine weniger bekannte Szenerie der USA, die aber meisterlich geschildert wird und dazu sehr gut unterhält.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Tom Wolfe, 1931 in Richmond, Virginia, geboren, arbeitete nach seiner Promotion in Amerikanistik als Reporter u.a. für „The Washington Post“, „New York Herald Tribune“, „Esquire“ und „Harper’s“. In den 60er Jahren gehörte er mit Truman Capote, Norman Mailer und Gay Talese zu den Gründern des „New Journalism“. Der vielfach preisgekrönte Schriftsteller (American Book Award etc.) war international längst als Sachbuchautor berühmt, ehe er – schon 56 Jahre alt – mit „Fegefeuer der Eitelkeiten“ (1987) seinen ersten Roman vorlegte, der auf Anhieb zum Weltbestseller und von Brian de Palma mit Tom Hanks verfilmt wurde. Es folgten 1998 sein zweiter Roman „Ein ganzer Kerl“, mit „Hooking Up“ eine Sammlung von Essays und Erzählprosa (2001) und 2005 sein dritter Roman „Ich bin Charlotte Simmons“. Der Autor lebt in New York.

Ich danke dem Blessing Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter 2013, Belletristik abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

8 Antworten zu Tom Wolfe – Back to Blood

  1. buzzaldrinsblog schreibt:

    Herzlichen Dank für diese tolle Rezension, die mich neugierig macht und mir Lust darauf macht, das Buch zu lesen. Von Wolfe habe ich schon etwas im Regal stehen, aber noch nie etwas gelesen – seine dicken Bücher sind ja doch sehr einschüchternd. 😉 Vielleicht wäre „Back to blood“ ja ein ganz guter Start für mich!

    • Karthause schreibt:

      Vor vielen Jahren habe ich „Fegefeuer der Eitelkeiten“ gelesen und jetzt „Back to Blood“. Die beiden passen auch gut zusammen und sind vergleichbar. Die fast 800 Seiten lesen aber gut und schnell. Das hängt nicht zuletzt auch damit zusammen, dass man wissen will, was als nächstes geschieht. Von mir gibt es also ein Lese-Empfehlung.

  2. nomadenseele schreibt:

    Schrill und laut stimmt. Das ist aber auch das Einzige, dem ich zustimmen kann. Die Geschichte kam mir sehr zerfasert vor, die Figuren wie die Satire auf eine Satire und ganze Handlungsstränge verschwinden einfach.
    Ich habe meine Eindrücke hier niedergeschrieben: http://nomasliteraturblog.wordpress.com/2013/01/29/tom-wolfe-back-to-blood/

    • Karthause schreibt:

      Ich glaube, der große Unterschied zwischen unseren Meinungen zu „Back to Blood“ ist, dass dir das Buch nicht gefallen hat und mir schon. Das ist halt Geschackssache. Aber beschreiben wir nicht ähnliches? Du schreibst von einer Satire auf eine Satire, ich von Übertreibungen und Überzeichnungen, vom Lästern und Provozieren des Autors. So weit sind wir doch bei der Beschreibung nicht auseinander – nur in der persönlichen Wertung.

      • nomadenseele schreibt:

        Ich war ziemlich froh, als ich das Buch fertig gelesen habe. Irgendwann habe ich es nur noch aus Pflichtgefühl, da ebenfalls ein Rezi-Exemplar – gelesen. Ich fand das sehr schade, denn das erste Kapitel mit der Parkplatzsuche fand ich sehr gut geschrieben, aber danach ging es steil bergab.

      • Karthause schreibt:

        Ein Rezi-Exemplar lese ich auch immer bis zum Ende. Wenn man sich aber durch ein fast 800 Seiten umfassendes Buch quälen muss, ist das hart. Schade, dass dir der Roman nicht zugesagt hat. Sonderlich sympatisch war mir auch keine der Figuren. Aber das war sicher auch nicht Wolfes Intention. Ich denke, er wollte mit seinem Buch genau das, was es bei uns macht, polarisieren.

      • nomadenseele schreibt:

        Ich lese die Rezi-Exemplare nicht immer zu Ende; je länger ich mich ärgere, desto schlechter wird die Kritik und damit ist keinem geholfen. Hätte ich nicht *Ein ganzer Kerl* gelesen und gewusst, dass Tom Wolfe erzählen kann, hätte ich mir auch Back to Blood nicht angetan.

        Das erste Kapitel von *Back to Blood* hat mir soviel Spaß gemacht zu lesen, dass ich richtig heiß auf das Buch war. Aber seit Nestor zu Hause nicht mehr gerne gesehen war, ging das Buch für mich beständig runter. Mich hat auch sehr gestört, dass viele Figuren und Handlungsstränge einfach wegfielen.

  3. juneautumn schreibt:

    Ich habe „Fegefeuer der Eitelkeiten“ und „Ich bin Charlotte Simmons“ von Wolfe gelesen, und beide Bücher haben mir sehr gefallen. Vielen Dank für die Rezi, die auch auf dieses Buch gespannt macht!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s