Victor Hugo – Die Elenden

Die Elenden

Victor Hugo

Gebundene Ausgabe: 1352 Seiten

Verlag: Manesse-Verlag

ISBN-13: 978-3717580065

Der Manesse Verlag über das Buch

Victor Hugo war ein engagierter Dichter avant la lettre. Sein großer, visionärer Roman ist eine Verteidigungsrede für die Elenden, für jene, die unter ihrer Not leiden und die ihre Not entehrt.

Im Mittelpunkt des monumentalen Romans steht die Geschichte des entlassenen Häftlings Jean Valjean, der nur durch die selbstlose Hilfe eines Bischofs wieder in die Gesellschaft zurück- und den Glauben an die Menschen wiederfindet. Unter falschem Namen baut er sich in Paris eine neue Existenz auf und sorgt für die junge Cosette, deren Mutter elend an Schwindsucht gestorben ist. Er muss jedoch seine wahre Identität geheim halten. Als Cosette sich in den aufstrebenden Advokaten Marius verliebt, versucht er, die beiden Liebenden auseinanderzutreiben – so sehr fürchtet er die Trennung von seiner Adoptivtochter. Mit dem Beginn der Pariser Arbeiteraufstände von 1832 überschlagen sich die Ereignisse: Marius gerät in den Straßenkämpfen in Lebensgefahr, und Valjeans Vergangenheit wird zur zunehmenden Bedrohung für Cosettes Glück.

Meine Meinung

„Eine Gesellschaft, die das Elend zulässt, eine Menschheit, die den Krieg zulässt, scheint mir minderwertig… Ich verdamme die Sklaverei, verjage das Elend, ich behandle die Krankheit, ich erhelle die Nacht, ich hasse den Hass. Darum habe ich ‚Die Elenden‘ geschrieben.“ Victor Hugo

Victor Hugo baut seinen großen Roman, sowohl vom Inhalt als auch vom Umfang her, um den Lebensweg des ehemaligen Galeerensträflings Jean Valjean auf. Wegen eines gestohlenen Brotes inhaftiert und nach mehreren missglückten, die Bestrafung verlängernden, Fluchtversuchen dauerte seine Strafe 19 lange Jahre. Nach seiner Entlassung hilft ihm der Bischof von Digne uneigennützig, wieder den rechten Weg zu finden. Valjean schlägt ihn ein, er wird geläutert und entwickelt sich zum Gutmenschen. Trotzdem bleibt er ein Leben lang ein Verfolgter. Von Beginn an sind die Rollen in den Positionen Gut und Böse eindeutig besetzt, das sind die gegensätzlichen Pole, die die Handlung bestimmen. Man findet sie ebenso in Arm und Reich, Mann und Frau, Liebe und Hass sowie im ehrbaren Bürger und im Strafgefangenen. Die sich aus diesen Konstellationen ergebenden Konflikte sind das Konstrukt, um das sich die Geschichte rankt.

Sehr bewusst habe ich mich für eine möglichst ungekürzte Fassung des Romans entschieden und so kann auch ich nicht abstreiten, dass ich beim Lesen Längen empfand. Den gekürzten Ausgaben wird auch mit Sicherheit nichts an der zentralen Handlung abhanden gekommen sein. Ich vermute jedoch, die Streichungen gehen zu Lasten des Zeitgefühls, der Tiefe und des Gesamteindrucks. Letztlich sind diese Ausschweifungen aber dem Realisten Hugo geschuldet. Detailliert beschreibt er das Leben und die Lebensumstände seiner Figuren. Er schaut sozusagen in jeden Winkel, unter jeden Teppich. Er ist kein Autor, der schnell zum Wesentlichen kommt. Das ist auch gar nicht seine Intention. Er will dem Leser ein Bild seiner Zeit vermitteln, dokumentieren und überliefern. So gibt es ganze Kapitel, die scheinbar nichts mit der eigentlichen Handlung zu tun haben. Trotzdem las sich der Roman für mich flüssig und nicht ohne Spannung. In „Die Elenden“ wird aber auch deutlich, dass Victor Hugo ein sehr politischer Mensch war. Dem Pariser Juni-Aufstand im Jahr 1832 widmet er einen großen Teil seines Romans. Die Geschichte des kleinen Gavroche ist es auch, die mich am meisten beeindruckte.

„Die Elenden“ ist ein großartiger Roman, einer der besten, den die Weltliteratur zu bieten hat. Dass ich die Ausführlichkeit an einigen Stellen beklage, hat nichts mit der Qualität des Romans zu tun, die ist unbestritten. Es spiegelt lediglich meinen Geschmack wider.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Victor Hugo (1802-1885) lebte nach einem kurzen Studium an der Ecole Polytechnique als Schriftsteller in Paris. Seinen ersten Roman veröffentlichte er bereits 1819, zahlreiche weitere Romane, Theaterstücke und Lyrik folgten. Er gründete zwei literarische Zeitschriften und wurde 1841 Mitglied der Académie française. Ab 1843 engagierte er sich politisch; wegen seiner Opposition gegen Napoléon III musste er 1851 Frankreich verlassen und lebte bis 1870 in Belgien, Jersey und Guernsey. Die Jahre im Exil wurden zu seiner literarisch fruchtbarsten Zeit. Hugo wurde im Panthéon beigesetzt.

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4 Antworten zu Victor Hugo – Die Elenden

  1. juneautumn schreibt:

    Da kann ich mich nur anschließen! Die Geschichte um Gavroche hat mich auch sehr beeindruckt, und gerade durch die Länge und Ausführlichkeit wird die Geschichte sehr intensiv. Ich fand es toll, so in diese Zeit hineinversetzt zu werden, oft bis ins kleinste Detail. Und mir hat „Die Elenden“ wesentlich besser gefallen als der „Glöckner von Notre-Dame“.
    Schöne Ostertage wünscht June

  2. literaturen schreibt:

    Ich habe auch noch die ungekürzte Version im Regal stehen. Ich finde es ganz grausam, wenn Bücher gekürzt werden. Als ich damals im Buchladen nach „Die Elenden“ fragte, bat man mir eine Variante mit 600 Seiten. Sowas verstehe ich nicht. Das ist über die Hälfte (!!), die da fehlt. Und mag sie auch für den zentralen Handlungsverlauf nicht von Bedeutung sein, so hat sich der Autor doch etwas dabei gedacht, es genau _so_ zu schreiben und nicht anders. Ich fand den „Glöckner von Nôtre-Dame“ schon großartig, genauso wie „Der letzte Tag eines Verurteilten“. Auf die Elenden freue ich mich schon, .. aber dafür bracuhe ich die entsprechende Ruhe. (;

  3. buzzaldrinsblog schreibt:

    Ich kenne dieses Buch noch nicht und habe – muss ich zu meiner Schande gestehen – auch noch nie etwas davon gehört. Mit klassischen Büchern habe ich es irgendwie nicht so, was ich selbst mitunter schade finde, aber es gibt einfach immer so viele reizvolle Neuerscheinungen, da verliert man die Literatur mit Substanz manchmal aus den Augen. Diesen Titel werde ich mir auf jeden Fall notieren und in der Buchhandlung mal einen Blick hineinwerfen. 🙂

    • Karthause schreibt:

      Es ist keine Schande ein Buch nicht zu kennen, egal ob es ein Klassiker ist, oder nicht. Empfehlen kann ich es allemal, auch wenn es Stellen in dem Buch gibt, an der die Lesergeduld auf eine harte Probe gestellt wird. Gruß Heike

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