Astrid Rosenfeld – Elsa ungeheuer

Elsa ungeheuer

Rosenfeld, Astrid

Gebundene Ausgabe: 276 Seiten

Verlag: Diogenes

ISBN-13: 978-3257068504

Inhalt (Klappentext):

Lorenz Bauer ist der neue Star der internationalen Kunstszene. Doch kaum einer ahnt, dass hinter seinem kometenhaften Aufstieg nicht nur Talent, sondern der raffinierte Plan zweier einflussreicher Frauen steckt.

Karl Brauer, Lorenz‘ jüngerer Bruder, weiß das natürlich. Und auch, dass die verrätselten Bilder des aufstrebenden Malers ihren Ursprung in der Kindheit haben – in der Zeit, als Lorenz und Karl gerade ihre Mutter verloren hatten und Elsa in ihr Leben trat. Elsa mit den Streichholzarmen, dem rotzfrechen Mundwerk, den extravaganten Kleidern. Das Mädchen, an das einer der Brüder sein Herz verlor und der andere seine Illusionen. Das Mädchen, das keiner von beiden vergessen kann.

Meine Meinung

Auf den Klappentext vertrauend hatte ich eigentlich einen Roman aus der Kunstszene erwartet. Diese spielt auch eine gewisse Rolle, aber für mich eben nur eine zweitrangige. Als ich dann verdaut hatte, dass das eigentliche Thema die Geschichte der Dreiecksbeziehung zwischen Elsa, Lorenz und Karl ist, die durch Lorenz in seinem Lebenswerk verarbeitet wird, habe ich mich mit dem Buch doch recht schnell angefreundet.

Die Geschichte um die zu Beginn des Romans 11-jährige Elsa, die von ihrer Mutter beim Vater „abgestellt“ wird, damit diese sich auf einer Weltreise mit dem neuen Mann an ihrer Seite vergnügen kann, wird von Karl aus seiner Sicht erzählt. Elsa, die ihren Kummer und Schmerz nicht zeigen will, verbirgt sich hinter einem Schutzwall aus Starrköpfigkeit, Widerborstigkeit und Frechheit gepaart mit schriller Kleidung. Karl liebt Elsa, er himmelt sie an. Mit Lorenz, Karls älterem Bruder, streitet und schlägt sie sich. Trotzdem hat Karl immer das Gefühl, dass Elsa und Lorenz etwas gemeinsam haben, das ihn eifersüchtig macht.

Astrid Rosenfeld hat gekonnt eine sehr eigentümliche, oft fast schon skurrile Protagonistenschar ins Rennen geschickt. Mein Liebling war natürlich ‚Murmeltier‘, auch wenn seine Gutenacht-Geschichten schon sehr speziell waren, erfuhren die Kinder einzig bei ihm Nähe, Wärme und Zuneigung. Sie hat überzeichnet und überspitzt und über viele Dinge mit einem lachenden und einem weinenden Auge berichtet.

„Elsa ungeheuer“ ist ein Roman, der lange nachhallt. Das ist hauptsächlich dem beeindruckenden Stil der Autorin zu verdanken, der Sprachgewalt und Einfühlungsvermögen verbindet und mit Metaphern und Wortwitz geschmückt ist.

Nach der Enttäuschung über den Klappentext habe ich den Roman sehr gern gelesen, er hat mich gut unterhalten und auch nachdenklich gestimmt. Die Autorin ist eine Entdeckung für mich und ihr Erstling „Adams Erbe“ steht bereits auf meinem Leseplan.

Über den Autor

Astrid Rosenfeld wurde 1977 in Köln geboren. Sie hat in diversen Jobs in der Filmbranche gearbeitet, unter anderem als Casterin. Ihr Debütroman „Adams Erbe“ erschien 2011 und schaffte es auf Anhieb auf die Longlist für den Deutschen Buchpreis. Astrid Rosenfeld lebt als freie Autorin in Berlin.

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4 Antworten zu Astrid Rosenfeld – Elsa ungeheuer

  1. buzzaldrinsblog schreibt:

    Ich habe schon so viele unterschiedliche Besprechungen zu diesem Buch gelesen, dass ich ganz gespannt bin, wie es mir bei der Lektüre ergehen wird. Deine Meinung macht mir auf jeden Fall Mut, das Buch bald in Angriff zu nehmen. 🙂 Ich habe „Adams Erbe“ erst Anfang des Jahres gelesen, sehr viel später als alle andere, war aber damals unheimlich begeistert und habe hohe Erwartungen an „Elsa ungeheuer“.

    • Karthause schreibt:

      Zuerst war ich stinksauer. Ich hatte dem Klappentext vertraut und bis zur Hälfte des Romans fand ich von dem Beschriebenen nichts. Jetzt, nachdem ich den Roman vollständig gelesen habe, muss ich mich ein wenig revidieren. Das Buch ist in einem tollen Stil geschrieben und es gibt viele Textstellen, die ein Nachdenken darüber lohnen. So wie das Buch ist, passt alles zusammen. Ich wünsche dir viel Lesespaß.

  2. privatkino schreibt:

    Bei mir war es umgekehrt, niemals hätte ich das Buch gelesen, wenn ich mich nur am Klappentext orientiert hätte – ich griff danach, eben weil viele Rezensionen erläuterten, dass es um die Dreiecksbeziehung geht und die Kunstszene nur eine kleine Rolle spielt. Schön, dass sich deine Meinung doch nur gedreht hat, es ist nämlich wirklich ein großartiges Buch.

    • Karthause schreibt:

      Nur am Klappentext habe ich mich nicht orientiert. Es war eine Empfehlung einer Leserin mit ähnlichem Geschmack, da wir beide gern Romane über die Kunstszene lesen, lag dann die Vermutung nahe, dass es sich um einen solchen handelt. Rezensionen zu Romanen, die ich in absehbahrer Zeit lesen möchte, gehe ich gern erst einmal aus dem Weg, um keine vorgefasste Meinung zu haben. Wenn in dem Klappentext gestanden hätte, es handele sich um eine Dreiecksbeziehung, die sich in der Kindheit entwickelte und bis ins Erwachsenenalter Bestand hat, hätte ich zu diesem Roman wohl nie gegriffen. Aus dem Grund hatte der mich in die Irre führende Text schon etwas an sich.

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