Abbas Khider – Gast der Veranstaltungsreihe Zwischen()Welten

In der Veranstaltungsreihe Zwischen()Welten der Stadtbibliothek Frankfurt/Oder in Kooperation mit dem Axel Springer-Stiftungslehrstuhl für deutsch-jüdische Literatur- und Kulturgeschichte, Exil und Migration Kulturwissenschaftliche Fakultät der Europa-Universität Viadrina fand am Nachmittag des 4. Juni 2013 eine Autorenlesung und ein Gespräch mit dem in Bagdad geborenen Autor Abbas Khider statt.

Durch seinen 2011 erschienenen Roman „Orangen für den Präsidenten“ wurde ich auf diesen Autor aufmerksam. Das Buch  begeisterte mich besonders wegen der sprachlichen Gestaltung. Jedes Wort wirkte sorgsam ausgewählt und treffend eingesetzt. Der Autor schaffte es ganz schnell, mich für seinen Stil einzunehmen und mir ein Land vor Augen zu führen, über das sonst hauptsächlich in den Nachrichten berichtet wird. Als dann im Frühjahr dieses Jahres der neue Roman von Abbas Khider erschien, konnte ich es kaum erwarten, diesen in Händen halten zu können. Wieder war mir ein Leseerlebnis der besonderen Art beschieden. Die gestrige Veranstaltung war dann das berühmte Sahnehäubchen zum Buch.

Die gut besuchte, sowohl interessante als auch unterhaltsame  Veranstaltung wurde von der Literaturwissenschaftlerin Frau Sarah  Fortmann-Hijazi (links im rechten Foto) moderiert. Der Autor las einige  wichtige Passagen aus seinem Buch und antwortete geduldig und  ausführlich auf die Fragen der Moderatorin und des Publikums. Schnell  wurde deutlich, wie viele eigene Erlebnisse und Erfahrungen in seinen Büchern stecken. Er wurde als junger Mann im Irak verhaftet und musste 1997 seine Heimat verlassen. Er flüchtete über viele Länder und gelangte schließlich nach Deutschland, was eigentlich gar nicht sein Ziel war. Der sympathische Autor, der sich selbst als Exilschriftsteller sieht, gab viel Persönliches preis. Auch im Gespräch ist es ein Erlebnis, seinen Worten zu folgen. Er ist ein großartiger Erzähler.

In diesem Jahr wird der Hilde-Domin-Preis für Literatur im Exil der Stadt Heidelberg an Abbas Khider verliehen.

In der Jury-Begründung heißt es wörtlich:

„Genau eine Woche ist Abbas Khiders ‚Brief in die Auberginenrepublik‘ im Oktober 1999 vom lybischen Bengasi in die irakische Hauptstadt Bagdad unterwegs, aus der Gaddafi-Diktatur in die noch finsterere von Saddam Hussein, in deren Gefängnissen der Autor selbst zwei Jahre verbrachte, bevor er 1996 aus dem Irak floh. Sieben Personen schildern in dieser ‚mesopotamischen Geschichte‘ den Briefschmuggel, beginnend mit dem exilierten, liebeskranken Urheber über einen ägyptischen Reisebüroleiter bis zur Frau eines Saddam-treuen Oberst in Bagdad. Das Schriftstück reist von Land zu Land und bringt jeden, in dessen Hände es gerät, dazu, seine Mentalität zu offenbaren, wodurch der deutsche Leser ungeahnte Einblicke in die arabische Welt gewinnt. Wie schon in seinem autobiographisch inspirierten Gefängnis- und Taubenzüchter-Epos ‚Die Orangen des Präsidenten‘ erweist sich Abbas Khider als ein ebenso lakonischer wie heiterer Chronist, als Meister der Situationskomik und geborener Erzähler. Dass Abbas Khider auf Deutsch, der Sprache seines im Jahr 2000 gewählten Exils, schreibt und als einstiger Taubenzüchter Hilde Domins ‚Taube aus wurmstichigen Holz‘ huldigt -, „wegen des sanften Schwungs deines einzigen ungebrochenen Flügels“- , hätte die Namensgeberin des Hilde-Domin-Preises für Literatur im Exil besonders gefreut. So wie San Domingo für die Dichterin zum Symbol der Hoffnung wurde, so setzt auch der Optimist Khider trotz aller schlimmen Erfahrungen auf den einen ungebrochenen Flügel, der seiner Prosa Frische und mitreißenden Schwung verleiht.“ (Quelle: Heidelberg.de )

Zu diesem Preis gratuliere ich ganz herzlich.

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3 Antworten zu Abbas Khider – Gast der Veranstaltungsreihe Zwischen()Welten

  1. Dass Abbad Khider einen weiteren Roman geschrieben hat, habe ich noch gar nicht realisiert. Gut zu wissen!

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