Favel Parrett – Jenseits der Untiefen

Jenseits der Untiefen

Parrett, Favel

OT: Past the Shallows

Gebundene Ausgabe: 219 Seiten

Verlag: Hoffmann und Campe

ISBN-13: 978-3455404340

Draußen, jenseits der Untiefen, jenseits der sandbödigen Buchten, kommt das dunkle Wasser – schwarz, kalt und tosend. Es rollt die unsichtbaren Pfade aus, es bahnte einen neuen Weg, dem sie folgen konnten.“

(S. 219)

Jenseits der Untiefen“ ist das Romandebüt der australischen Schriftstellerin Favel Parrett. In ihm begegnet man den Brüdern Joe, Miles und Harry. Sie leben an der tasmanischen Küste. Ihre Mutter ist tot. Die einzige Freude ihres kargen, von des Vaters Gewaltausbrüchen bestimmten Lebens ist das Surfen. Das Meer bietet mit den Abalonen aber auch ihre Lebensgrundlage. Einzig Harry fürchtet sich vor der See, die für ihn ebenso unberechenbar ist wie der jähzornige Vater.

Favel Parrett erzählt die Geschichte einer Familie, der die Mutter genommen wurde. Der Vater ist zutiefst verbittert und kann seinen Söhnen keine Geborgenheit bieten, nur Gewalt. Gut beschreibt sie, wie die Jungen eng zusammenrücken und versuchen, sich gegenseitig zu schützen. Der Roman beginnt sehr ruhig, erst in der zweiten Hälfte, wenn sich langsam einige in der Vergangenheit liegende Geschehnisse klären, nimmt das Tempo ein wenig zu. Zu Beginn ist der Roman etwas verwirrend, durchgängig ist er jedoch von großer Düsternis und Melancholie geprägt. Es gibt nur äußerst wenige freudige oder freundliche Momente, die Begegnungen Harrys mit dem kleinen Hund gehören zu den zählbaren positiven Momenten.

Sprachlich hat mir „Jenseits der Untiefen“ sehr gut gefallen. Der poetisch angehauchte Stil der Autorin macht dieses Buch zu etwas Besonderem. Im Zusammenspiel mit der geschilderten Brutalität des Vater und dem Toben des Meeres ergibt sich ein sehr reizvoller Widerspruch.

Offenes Potential sehe ich allerdings noch in der dramaturgischen Gestaltung des Romans. Die Handlung konnte mich nicht vollständig überzeugen und auch auf der Gefühlsebene hat mich die Autorin nicht bedingungslos erreicht. Mir war die Handlung zu reduziert, das ging hauptsächlich zu Lasten der Charakterzeichnung der Personen, die nur wenig facettiert waren und somit etwas eindimensional wirkten.

Trotz meiner angeführten Kritikpunkte bin ich schon wegen des beeindruckenden Sprachstils von Favel Parrett sehr gespannt.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)

Favel Parrett, geboren 1974, wuchs in Tasmanien auf und lebt heute in Victoria (Australien). Sie veröffentlichte Short Stories in Zeitschriften, bevor sie 2011 mit „Jenseits der Untiefen“ debütierte. Der Roman wurde von Lesern und der Presse begeistert aufgenommen und u.a. für die Shortlists des Miles Franklin Award und des Melbourne Award nominiert. Ausgezeichnet mit dem Newcomer of the Year Australian Book Industry Award sowie mit dem Dobbie Award für Schriftstellerinnen.

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