Barbara Slawig – Visby

Visby

Barbara Slawig

Gebundene Ausgabe: 416 Seiten

Verlag: Bloomsbury Berlin

ISBN-13: 978-3827010872

Die ersten fünf Jahre wuchs Dhanavati in einer Art Sekte in der Nähe Visbys auf. Dann sprang ihre Mutter von den Klippen, Bengt Eglund, der Guru der Gruppe, wurde wegen Drogenhandel festgenommen. In diesem spirituellen Kreis vermutet sie auch ihren ihr bis jetzt unbekannten Vater.

Etwa 20 Jahre später, Dhanavati ist inzwischen Mathematikerin, will sie Antworten auf ihre Fragen und sie begibt sich auf eine Reise in die Vergangenheit.

 Barbara Slawig hat einen sehr komplexen Roman geschrieben, der eine Vielzahl von Gedankenansätzen und mehrere Handlungsstränge bietet. Das Spektrum reicht von der fundiert beschriebenen Arbeit an einem Forschungsinstitut, Geheimnisverrat, Waffenhandel. In erster Linie ist dies jedoch der Roman einer Roman einer Suche. So werden verschwundene Personen, Verräter, mutmaßliche Väter und Spuren der Vergangenheit gesucht.

Trotzdem es den Anschein hat, es würde sich bei „Visby“ um einen Thriller handeln, ist dem nicht so. Für mich ist dies ein Roman mit Thrillerelementen, der ungeheuer spannend ist und den Leser förmlich in einen Lesesog zieht. Daneben hat mich der schöne Sprachstil von Barbara Slawig beeindruckt, jedes Wort scheint wohl überlegt und gezielt gesetzt. Die beschreibenden Abschnitte sind besonders eindrucksvoll.

Dies ist kein Ort, an dem man jemanden findet. Hier gehen Menschen eher verloren, sie treten hinter einen Felsen und sind nicht mehr da. Man schlendert ein paar Schritte ohne sie weiter, bleibt stehen und schaut aufs Meer, und man hört nur noch das unrhythmische Klatschen der Welle und das Raschen und Pfeifen und Sausen des Windes, eine rauschende Stille, die Ohren und Gedanken betäubt: bis man aufschreckt, weil man schon zu lange allein ist, und man kehrt um und ruft und schaut hinter den Felsen, hinter dem der andere verschwunden ist, aber dort sind nur weitere Felsen. Und Wind, und ein Möwenschrei, und Stille.“ (S. 36/37)

Aber auch vom Schriftsatz her ist dieser Roman sehr interessant gestaltet. E-Mails, Forenbeiträge und Notizen lassen „Visby“ modern und realistisch erscheinen. Dieser Roman zeugt von dem großen Fundus an Erfahrungen, der der ehemals selbst an einem Forschungsinstitut tätigen Autorin eigen ist. Die Personen und deren Tun sind glaubhaft und wirken sehr authentisch.

Visby“ ist wieder einer der von mir geschätzten Romane, die sowohl von der Sprache als vom Anspruch, der Zeichnung der Charaktere, der Vielschichtigkeit der Handlung und der Spannung her zu überzeugen wissen. Für mich war es ein echtes Leseerlebnis.

Barbara Slawig, 1956 in Braunschweig geboren, lebt in Berlin. Sie hat Biologie studiert und eine Doktorarbeit über Meningitis-Epidemien in Afrika geschrieben, bevor sie der Wissenschaft den Rücken kehrte. Seit 1990 übersetzt sie englischsprachige Belletristik. Sie schreibt Erzählungen und Romane, häufig mit phantastischem Einschlag. 2003 erschien »Die lebenden Steine von Jargus« im Argument-Verlag; unter dem Pseudonym Carla Rot erscheinen 2009 und 2010 Kriminalromane. (Quelle: amazon.de)

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Eine Antwort zu Barbara Slawig – Visby

  1. charlieundcarmen schreibt:

    So ein starker, schoener, aussergewoehnlicher Roman!
    Freut mich sehr, dass er dir auch gefallen hat und dass du ihm eine so schoene Rezension geschrieben hast.
    Ich hoffe, von Barabara Slawig bekommen wir in nicht allzu langer Zeit wieder etwas zu lesen.
    (Ihre Carla Roth Romane mag ich auch – but ‚Visby‘ I love.

    Herzlich gruesst Charlie

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