Bernhard Aichner – Totenfrau

Gebundene Ausgabe: 448 Seiten
Verlag: btb Verlag
ISBN-13: 978-3442754427

 

Brünhilde Blum wurde als Kind von einem Bestatterehepaar adoptiert. Aber sie hatte alles andere als eine schöne Kindheit. So muss sie Leichen waschen und für die Bestattung vorbereiten, mit allem, was dazu gehört – Dinge, die man Kindern nicht zumuten sollte. Erfüllt sie ihre Aufgaben nicht, sperrt der Vater sie in einem Sarg Sarg ein. Aber eines Tage, die Familie ist auf einem Segeltörn, lässt Blum ihre Eltern kaltblütig ertrinken. Als erster nach der Tat ist Mark bei ihr, er ist Polizist und bestätigt ihre Aussage. Beide verlieben sich, heiraten wenig und haben acht Jahre später zwei Töchter. Blum führt das Bestattungshaus weiter. Man gönnt ihr das Glück von ganzem Herzen. Aber dann fährt Mark mit dem Motorrad los, es kommt zum Unfall, an dessen Folgen er verstirbt. Für Blum bricht eine Welt zusammen. Als sie Marks Sachen ordnet, findet sie sein Handy. Sie hört die Sprachnotizen ab, weil sie einfach seine Stimme hören will. Dabei erfährt sie erstaunliches über einen Fall, an dem Mark gerade gearbeitet hat und plötzlich ist fraglich, ob es wirklich ein Unfall war, oder ob weit mehr dahinter steckt. Blum beginnt auf eigene Faust mit den Nachforschungen und ihrem ganz persönliche Rachefeldzug…

„Totenfrau“ wird in 49 eher kurzen Kapiteln erzählt, die von einem Rückblick auf die Geschehnisse, die sich acht Jahre zuvor ereigneten, eingerahmt werden. Von Beginn an wird Spannung auf gebaut, diese steigert sich im Verlauf der Handlung und flacht erst ganz zum Ende hin ein ganz klein wenig ab. Vielleicht habe ich das auch nur so empfunden, weil ich schon sehr zeitig eine Vermutung hatte und sich alles dann genau in diese Richtung entwickelte, da fehlte mir ein wenig das Unverhoffte.

Dramaturgisch ist dieser Thriller, wie viele andere auch – spannend. Er unterscheidet sich jedoch von den anderen durch die Sprache. Atemlos, stakkatoartig, in kurzen Sätzen wird diese Geschichte erzählt, schnell kommt Bernhard Aichner auf den Punkt, es gibt nichts Beschönigendes, nichts Angedeutetes. Der Autor spricht Klartext und nennt die Dinge beim Namen und beschreibt Taten wie sie sind. Dabei verlangt er seinen Lesern einiges ab. Zimperlich darf man nicht sein, grauenhafte und auch ekelerreegende Szenen muss man mit der Protagonistin überstehen. Eigentlich müsste man einer jungen Frau, die kaltblütig tötet und stringent ihrem Racheplan folgt, mit Abscheu und Abneigung begegnen. Das konnte ich nicht. Der Autor erwischt seine Leser ganz brutal auf der emotionalen Ebene. Da man mit Blum mitfühlen kann, entwickelt man Verständnis für ihr Tun, fiebert mit ihr mit, hofft, dass ihr nichts passiert, damit sie ihren Plan in die Tat umsetzen kann.

Bernhard Aichner verzichtet auf die grammatikalisch korrekte Kennzeichnung der wörtlichen Rede. Gespräche finden stets nur zwischen zwei Beteiligten statt. Mittels Aufzählungsstrich ordnet der Autor diesen die einzelnen Gesprächsteile zu.

Mich hat „Totenfrau“ schnell in den Bann gezogen, innerhalb von zwei Tagen habe ich diesen Thriller gelesen. Er hat mich gefühlsmäßig sehr beansprucht. Aber ich habe ihn sehr gern gelesen. Die kleinen Kritikpunkte haben den Unterhaltungswert dieses Thrillers nicht geschmälert. Ich empfehle ihn gern weiter.

Über den Autor (Quelle: amazon.de)
Bernhard Aichner (geb. 1972) lebt als Schriftsteller und Fotograf in Innsbruck/Österreich. Aichner schreibt Romane, Hörspiele und Theaterstücke. Für seine Arbeit wurde er mit mehreren Literaturpreisen und Stipendien ausgezeichnet. Nach den Spannungsromanen Nur Blau (2006) und Schnee kommt (2009) erschienen bei Haymon die Max-Broll-Krimis Die Schöne und der Tod (2010), Für immer tot (2011) und Leichenspiele (2012). Totenfrau ist der erste Thriller, der bei btb erscheint. Für die Recherche dazu arbeitete Aichner ein halbes Jahr bei einem Bestattungsinstitut als Aushilfe.

Webseite von Bernhard Aichner

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter 2014, Krimi/Thriller abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Antworten zu Bernhard Aichner – Totenfrau

  1. buzzaldrinsblog schreibt:

    Danke für die schöne Besprechung, das Buch liegt hier schon, nun bin ich aber noch neugieriger, es bald auch zu lesen. 🙂

    • Karthause schreibt:

      Dann bin ich sehr auf deine Meinung gespannt. Wie es scheint, scheiden sich an diesem Thriller die Gemüter.

      • buzzaldrinsblog schreibt:

        Ja? Ich habe bisher noch nicht vieles darüber gelesen, da bin ich schon gespannt … ich bin ja eher keine Krimi-/Thrillerleserin.

      • Karthause schreibt:

        Bei einem Thriller erwarte ich nicht die hohe Schule der Literatur, Thriller sind für mich nur zur Unterhaltung des dunklen Teils meiner Seele. Er sollte für mich spannend und nachvollziehbar sein, über einen interssanten Plot verfügen und sich vielleicht – wenn es gut kommt – von der Masse der Thriller etwas abheben. Bei diesem hatte ich erst ein paar Probleme mit dem sprachlichen Stil, es ist eben irgendwie kurzatmig geschrieben. Das passt aber zu dem Geschehen. Naja, und dass du schon einiges an Grausamkeiten und Ekligem vertragen musst, hast du ja schon gelesen. 😉

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s