Sabahattin Ali – Yusuf

Gebundene Ausgabe: 300 Seiten
Verlag: Dörlemann
ISBN-13: 978-3038200024

 

Kurzbeschreibung (Quelle: Dörlemann Verlag)
Yusuf wacht neben seinen ermordeten Eltern, als ihn Salahâttin Bey in einer Herbstnacht des Jahres 1903 findet. Der Landrat zögert nicht und nimmt den Jungen an Sohnes statt bei sich auf. Was gut gemeint, wenn auch nicht selbstlos ist, bedeutet für Yusuf vor allem Demütigung. Er gehört nicht hierher, er ist und bleibt ein Fremder. Yusuf ist ein Kämpfer, wenn auch ein schweigsamer. Er widersetzt sich dem Sohn des Fabrikanten wie seiner Stiefmutter. Früh verbündet er sich mit Muazzez, seiner Stiefschwester, die er später gegen den Willen aller nur nicht gegen ihren zur Frau nimmt.
In einer bilderreichen Sprache erzählt Sabahattin Ali in seinem ersten Roman Yusuf diese Geschichte eines Mannes, der alles aufs Spiel setzt und am Ende gewinnt und verliert.

Über den Autor (Quelle: Dörlemann Verlag)
Sabahattin Ali wurde 1907 in Gümülcine geboren. Nach seinem Studium in Berlin und Potsdam lehrte er in der Türkei Deutsch. Ali mußte zeitlebens gegen die staatliche Zensur kämpfen, 1932 wurde er wegen eines Satire-Gedichts über Atatürk für ein Jahr inhaftiert. 1944 gab er in Istanbul das Satire-Blatt Markopasa heraus. Am 2. April 1948 wurde Ali auf der Flucht ins Exil an der bulgarischen Grenze ermordet. Bis heute ist ungeklärt, ob er einem Raubmord oder einem politischen Anschlag zum Opfer fiel.

Meine Meinung
„In einer regnerischen Nacht im Herbst des Jahres 1903 überfielen in der Provinz Aydin Banditen das nahe dem Kreisstädtchen Nazilli gelegene Dorf Kuyucak und töteten einen Mann und seine Frau.“

Mit diesem Satz beginnt Sabahattin Alis wunderbarer Roman. In der Folge findet der Landrat Salahâttin Bey Yusuf, der neben seinen toten Eltern wacht. Mit dieser rührenden Szene beginnt der Roman von Sabahattin Ali. Im weiteren Verlauf der Handlung kann der Leser mit fühlen und ihn durch die Höhen und Tiefen seines Lebens begleiten. Wahrscheinlich durch die Erlebnisse in seiner Kindheit bleibt er immer ein Einzelgänger, einzig seiner Stiefschwester Muazzez ist er gefühlsmäßig nah, den Städtern fühlt er sich nie zugehörig.

„Tatsächlich konnte er sich, sosehr er sich auch bemühte … nicht an die Städter gewöhnen. Immer fühlte er sich fremd und anders geartet als sie. Er verstand einfach nicht, wie diese Menschen dachten und handelten.“

So bleibt auch während der Lektüre eine gewisse Distanz zwischen dem Leser und dem Protagonisten erhalten. Diese wirkte auch mich aber keinesfalls störend, es ermöglicht eher einen weitgehend neutralen Blick auf Yusuf.

Obwohl dieser Roman mit einer anrührenden Szene eingeleitet wird, ist ihm jede Rührseligkeit fremd. Die Geschichte von Yusuf ist einfach eine beeindruckende, wunderbare Beschreibung der Menschen in ihrer Zeit. Durch „Yusuf“ habe ich einen tiefen Einblick in die Lebensweise in den letzten Jahren des osmanischen Reiches und die ersten der jungen Türkei gewonnen. Die detaillierte und bildreiche Sprache des Autors lässt diesen Roman zu einem Leseerlebnis werden.

Dieser Roman war ursprünglich als Fortsetzungsroman konzipiert und erschien im Jahr 1932 in einer türkischen Zeitung. Erst jetzt, im Jahr 2014, erschien er erstmals in deutscher Sprache.
„Yusuf“ ist ein zeitloser Roman, sein Titelheld ist zwar ein Sonderling, ein Eigenbrötler, aber immer bleibt er sich treu. Diesen Roman habe ich unwahrscheinlich gern gelesen, jede Seite habe ich genossen. Es ist ein ganz besonderer Roman, dem ich größtmögliche Beachtung und viele Leser wünsche.

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