Christina Baker Kline – Der Zug der Waisen

Originaltitel: Orphan Train

Gebundene Ausgabe: 352 Seiten

Verlag: Goldmann Verlag

ISBN-13: 978-3442313839

Kurzbeschreibung (Quelle: amazon.de)

Ein bewegender Roman über ein vergessenes Kapitel der amerikanischen Geschichte

New York, 1929: Mit neun Jahren verliert Vivian Daly, Tochter irischer Einwanderer, bei einem Wohnungsbrand ihre gesamte Familie. Gemeinsam mit anderen Waisen wird sie kurzerhand in einen Zug verfrachtet und in den Mittleren Westen geschickt, wo die Kinder auf dem Land ein neues Zuhause finden sollen. Doch es ist eine Reise ins Ungewisse, denn nur die wenigsten von ihnen erwartet ein liebevolles Heim. Und auch Vivian stehen schwere Bewährungsproben bevor … Erst viele Jahrzehnte später eröffnet sich für die inzwischen Einundneunzigjährige in der Begegnung mit der rebellischen Molly die Möglichkeit, das Schweigen über ihr Schicksal zu brechen.

Über die Autorin (Quelle: amazon.de)

Christina Baker Kline wuchs in England und in den Vereinigten Staaten auf. Sie hat Literatur und Kreatives Schreiben unterrichtet und sich als Buchautorin und Herausgeberin von Anthologien einen Namen gemacht. Ihr Roman „Der Zug der Waisen“ war in den USA ein großer Erfolg und hielt sich monatelang an der Spitze der New-York-Times-Bestsellerliste. Mit ihrem Mann und ihren drei Söhnen lebt die Autorin in Montclair, New Jersey.

Meine Meinung

1929 – 1943. Vivian kam mit ihren Eltern als Niamh aus Irland nach New York und verlor ihre Familie 1929 im Alter von 9 Jahren durch einen Wohnungsbrand. Infolge dessen wurde sie mit anderen Waisen in einem der berüchtigten Orphan Trains nach Minnesota gebracht. Dort warteten angebliche Pflegefamilien auf die Kinder. Aber in den meisten Fällen sahen man in den Waisen nur billige Arbeitskräfte. Für Vivian begann eine Odyssee durch verschiedene Familien. Ihr Name wurde geändert, sie musste hart arbeiten und wurde nicht geliebt. Erst nach Jahren wurde sie von einem Ehepaar aufgenommen, die ihr eine Familie waren und ihr ein Heim boten.

2011. In einer zweiten Erzählebene lernt der Leser die 17-jährige Molly kennen, die ähnlich wie Vivian von einer Pflegefamilie zur anderen geschickt wird. Nachdem sie beim Diebstahl eines alten Buchs erwischt wird, muss sie Sozialstunden ableisten und soll bei der inzwischen über 90-jährigen Vivian den Dachboden entrümpeln. Molly, die sonst niemanden in ihre Gefühlswelt blicken ließ, fasst zu Vivian, wegen ihres Einfühlungsvermögen und ihrer lebensweisen Art, langsam Vertrauen.

Christina Baker Kline öffnet, begründet auf eine belegte, akribische Recherche, dem Leser ein Fenster in ein bislang weitgehend unbekanntes Kapitel amerikanischer Geschichte. Sie schildert eher sachlich-nüchtern die beiden Lebensgeschichten. Sie beschreibt, was beschrieben werden muss und wird dabei nie rührselig. Trotzdem gab es immer wieder Szenen, die mich emotional sehr berührten.

Beide Handlungsstränge werde fast durchgängig abwechselnd erzählt, so verknüpft die Autorin geschickt Vergangenheit und Gegenwart und ermöglicht ein Teilhaben am Schicksal der beiden Protagonistinnen. Die Charakterisierung der beiden Frauen gelang ihr auch sehr gut, wo hingegen andere Figuren nicht so facettenreich vorgestellt wurden.

Trotz der Schwere des Themas ließ sich das Buch sehr angenehm und flüssig lesen, weil auf Angriffe auf die Tränendrüsen durchweg verzichtet wurde. Einzig die sich zum Ende hin entwickelnde Hektik in den Ereignissen störte mich ein wenig. Im Anhang des Buches wird kurz und mit Fotos versehen, die Geschichte der Orphan Trains dargelegt.

„Der Zug der Waisen“ ist ein hochinteressantes Buch, das ich sehr gern gelesen habe. Es brachte mir ein Stück amerikanischer Geschichte nahe, die mir so bisher noch nicht bekannt war.

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3 Antworten zu Christina Baker Kline – Der Zug der Waisen

  1. steffimanca schreibt:

    Ich will dieses Buch!!! Danke für die schöne Rezi, liebe Heike =(^.^)=

  2. Krümel schreibt:

    Hi, das Buch kommt mir bekannt vor 😉

    • Karthause schreibt:

      Vielleicht hast du schon eine Rezi dazu gelesen, es ist ja schon Anfang November erschienen. Oder hattest du es gar in deinen Vorstellungen der Neuerscheiungen?

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