Richard Dübell – Der Jahrhundertsturm

JahrhundertsturmTaschenbuch: 1056 Seiten

Verlag: Ullstein Taschenbuch

ISBN-13: 978-3548286648

Klappentext

Alvin von Briest ist ein echter Preuße. Er fühlt sich den alten Traditionen seines Heimatlandes verpflichtet, auch wenn es ihm nicht immer leicht fällt. Auf Rat seines Freundes Otto von Bismarck entscheidet er sich sogar für eine Militärlaufbahn.

Ganz anders sein Freund Paul Baermann. Paul stammt aus dem Münchner Bürgertum und ist ein Mann des Fortschritts. Seine einzige Liebe gilt der Eisenbahn. Bis er in Paris Louise Ferrand kennenlernt, die ihn mit ihrer Schönheit verzaubert. Doch Louise ist schon einem anderen versprochen – seinem besten Freund. Sie heiratet Alvin von Briest, der sie vor Hunger und Tod gerettet hat. Ihr Herz aber gehört Paul.

Während in Berlin Barrikaden gebaut werden, die Eisenbahn ihren Siegeszug in Europa antritt und sich Deutschland schließlich unter Bismarck eint, gehen Alvin, Paul und Louise ihren ganz eigenen Weg.

Über den Autor (Quelle: Ullstein Verlag)

Richard Dübell, geboren 1962, lebt mit seiner Frau und zwei Söhnen bei Landshut. Als Autor von historischen Romanen stürmt er seit Jahren die Bestsellerliste. Inzwischen ist er aber auch als Krimi-Autor bekannt.

Gedanken zum Buch

Die Romanhandlung setzt im Jahr 1840 ein, endet im Sommer 1871 und wird auf zwei Ebenen entwickelt. Eine führt den Leser ins Preußische. Alvin von Briest, Zweitgeborener, geht nach dem Tod seines Vaters leer aus und schlägt auf Ratschlag seines Freundes Otto von Bismarck die Militärlaufbahn ein. Zur gleichen Zeit will sich der Münchener Paul Baermann zum Dampfmaschineningenieur ausbilden lassen. Ein Zwischenfall setzt diesem Traum aber ein jähes Ende. Beide begegnen sich in Berlin und ihr Weg führt sie nach Paris, dort arbeiten sie für Eisenbahngesellschaft und planen das Streckennetz. Schließlich verlieben sie sich in die gleiche Frau, aber Alvin heiratet Louise.

Anhand des Schicksals der drei Hauptfiguren breitet Richard Dübell für seine Leser ein beeindruckendes historisches Panorama aus, in dem Zeitgeist sowie politische und technische Entwicklungen für das entsprechende Kolorit sorgen. So wird deutlich, welche Bedeutung der Ausbau des Eisenbahnnetzes und der Entwicklung der Telegrafie sowohl für die Zivilbevölkerung als auch für das Militär hat. Paul, als Vertreter der Zivilisten und Alvin als Militärangehöriger stehen mit ihrem Gedankengut jeweils für ihre Gesellschaftsschicht. Die politische Ebene wird hauptsächlich durch Otto von Bismarck geprägt, dem als Freund Alvins zwar keine Hauptrolle, aber trotzdem eine bedeutende in diesem Roman einnimmt. Die historischen Ereignisse reichen von der Märzrevolution im Jahr 1848 bis hin zur Gründung des Deutschen Reiches 1871.

Das Verknüpfen von historischem Geschehen, technischem Fortschritt, Reflexion der gesellschaftlichen Entwicklung und fiktiver Romanhandlung ist Richard Dübell ausgesprochen gut gelungen. Er hat meisterlich erzählt und in dem über 1000 Seiten umfassenden Roman keine Längen aufkommen lassen. So baute sich vor meinem inneren Auge ein umfassendes authentisches Zeitbild auf. Ein wenig habe ich mich lediglich an der Ménage-à-trois zwischen Louise, Alvin und Paul gestoßen. Es gelingt mir nicht, mir vorzustellen, dass diese Beziehung in aller Öffentlichkeit ohne Konsequenzen – zumindest für Alvins militärische Laufbahn – in der beschriebenen Zeit gelebt werden konnte. Das schmälert meinen sehr positiven Eindruck nicht wesentlich. Denn Richard Dübell ist es gelungen, mich wie ein stiller Beobachter zu den einzelnen Schauplätzen zu führen und mir die Atmosphäre hautnah zu vermitteln.

„Der Jahrhundertsturm“ ist ein sehr interessanter und ebenso unterhaltsamer Roman, gut durchdacht und intelligent aufgebaut, dazu ist er nicht nur leicht zu lesen, sondern auch noch sehr lesenswert. Wer wie ich die Verbindung von erzählter und erdachter Geschichte und einem faktischen historischen Rahmen sehr mag, wird bei diesem sehr gut aufgehoben sein.

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2 Antworten zu Richard Dübell – Der Jahrhundertsturm

  1. steffimanca schreibt:

    Danke für die tolle Rezie … das klingt nach Wunschzettel 🙂
    LG Steffi

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