John Williams – Butcher’s Crossing

Quelle: dtv

Gebundene Ausgabe: 368 Seiten

Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag

ISBN-13: 978-3423280495

Der Verlag über das Buch

Es war um 1870, als Will Andrews der Aussicht auf eine glänzende Karriere und Harvard den Rücken kehrt. Beflügelt von der Naturauffassung Ralph W. Emersons, sucht er im Westen nach einer »ursprünglichen Beziehung zur Natur«. In Butcher’s Crossing, einem kleinen Städtchen in Kansas, am Rande von Nirgendwo, wimmelt es von rastlosen Männern, die das Abenteuer suchen und schnell verdientes Geld ebenso schnell wieder vergeuden. Einer von ihnen lockt Andrews mit Geschichten von riesigen Büffelherden, die, versteckt in einem entlegenen Tal tief in den Colorado Rockies, nur eingefangen werden müssten: Andrews schließt sich einer Expedition an, mit dem Ziel, die Tiere aufzuspüren. Die Reise ist aufreibend und strapaziös, aber am Ende erreichen die Männer einen Ort von paradiesischer Schönheit. Doch statt von Ehrfurcht werden sie von Gier ergriffen – und entfesseln eine Tragödie. Ein Roman darüber, wie man im Leben verliert und was man dabei gewinnt.

Über den Autor (Quelle: Deutscher Taschenbuch Verlag)

John Williams wurde 1922 in Texas geboren. Trotz seiner Begabung brach er sein Studium ab. Widerstrebend beteiligte er sich an den Kriegsvorbereitungen der Amerikaner und wurde Mitglied des Army Air Corps. Während dieser Zeit entstand die Erstfassung seines ersten Romans, der später von einem kleinen Verlag publiziert wurde. Williams erlangte an der University of Denver seinen Master. 1954 kehrte er als Dozent an diese Universität zurück und lehrte dort bis zu seiner Emeritierung 1985. Er veröffentlichte zwei Gedichtbände und vier Romane, von denen einer mit dem National Book Award ausgezeichnet wurde.John Williams starb 1994 in Fayetteville, Arkansas.

Meine Gedanken zum Buch

Kansas/Rock Mountains, 1870. Will Andrews verlässt die Enge der Harvard Universität, will die wahre, reine Natur erleben und sich dabei selbst finden. So gelangt er nach Butcher’s Crossing, eine Kleinstadt in Kansas. Die Bewohner sind eigenwillig, sie suchen das Abenteuer und das schnelle Geld. Andrews ist mit genügend finanziellen Mitteln ausgestattet und möchte an einer Büffeljagd teilnehmen. Von Miller, dem erfahrenen Büffeljäger, hört er die Geschichte von einer der letzten unermesslich großen Büffelherden, die sich in ein schwer zugängliches Tal weit ab in die Rockys zurückgezogen hat. Gemeinsam mit Fred Schneider und Charley Hoge machen sie sich auf den beschwerlichen Weg zur großen Jagd. Dort angekommen beginnt das große Schlachten, dass schon an eine Art Blutrausch erinnert. Sie sind so besessen davon, immer mehr Büffelfelle zu ernten, dass sie vom Winter überrascht werden und sie erst im nächsten Frühjahr in die Zivilisation zurückkehren können. Aber dort wartet eine handfeste Überraschung auf die Männer.

„Butcher’s Crossing“ ist ein Western der ganz besonderen Art. So wie die Männer dem Sog der Büffeljagd erlagen, zog es mich immer tiefer in diesen Roman, ich mochte ihn nicht mehr aus der Hand legen. Dabei war er weder actionreich noch vor Spannung strotzend. Es war die Ruhe mit der John Williams diese Geschichte erzählte und damit einen ganz einzigartigen Spannungsbogen schuf, der den Leser tief in die Seele der Schlächter blicken ließ.

Doch während der Schmerz in seinem Körper wuchs, schien sich sein Geist vom Schmerz zu lösen, sich darüber zu erheben, bis er sich und Miller deutlicher als zuvor sehen konnte. Während der letzten Stunde ihrer Jagd hatte er gelernt, in Miller einen Mechanismus zu erkennen, einen Automaten, in Gang gehalten von der getriebenen Herde; und er lernte, Millers Vernichtung der Büffel nicht als Blutrausch zu begreifen, nicht als ein Verlangen nach ihren Fellen oder dem, was die Felle einbringen mochten, nicht einmal als einen Ausdruck der dunklen, blinden Wut, die in Miller tobte – er begriff die Vernichtung als kalte, hirnlose Reaktion auf das Leben, auf das Miller sich eingelassen hatte. Und er sah sich selbst, wie er stumm hinter Miller durch das flache Tal kroch, leere Patronenhülsen sammelte, das Wasserfass mitschleppte, sich um das Gewehr kümmerte, es sauber machte und Miller gab, sooft nötig – er sah sich und wusste nicht, wer er war oder wohin er wollte.“ S. 183/184

John Williams Schreibstil ist beispiellos. Das massenhafte Schlachten, die Grausamkeit, die Abgestumpftheit der Männer und auch die Härte ihrer Situation beschreibt er betont ruhig und trotzdem, oder auch gerade deswegen, so eindringlich. Das Innerste der Männer wird vor dem Lesen offengelegt, man erkennt, sie können nicht anders handeln, als sie es tun. Dazu kommen die eindrucksvollen Beschreibungen der Landschaft, die ebenso gewaltig wirken, und einen genialen Gegenpol zum Töten darstellen.

„Butcher’s Crossing“ ist ein sehr beeindruckender Roman, der trotz aller Härten und Grausamkeiten, die Mensch und Tier durchleiden müssen, eine ungeheuer dichte und tiefe Atmosphäre bietet. Er ist eine beeindruckende Parabel über das Leben und ein Buch der mir wunderbare Lesestunden bescherte, es war ein echtes Leseerlebnis.

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