Jürgen Todenhöfer: Inside IS – 10 Tage im „Islamischen Staat“

Inside IS - 10 Tage im Islamischen Staat von Juergen Todenhoefer

Inside IS – 10 Tage im Islamischen Staat von Juergen Todenhoefer Quelle: Verlag C. Bertelsmann

Gebundene Ausgabe: 288 Seiten
Verlag: C. Bertelsmann Verlag
ISBN-13: 978-3570102763

Der Verlag über das Buch

Im Sommer 2014 führte Jürgen Todenhöfer mehrere Monate lang Gespräche mit deutschen Islamisten (via Skype), die sich dem IS-Staat angeschlossen haben. Die Erkenntnisse, die er in diesen Gesprächen gewann, sind mehr als erschreckend und enthüllen die mörderischen Absichten des sogenannten Kalifats, das einen weltweiten Gottesstaat errichten will und dabei auch vor Massenmorden nicht zurückschreckt, selbst unter Muslimen. Nach der Erweiterung Ihres Staates im Nahen Osten, bei der sie die Nachbarstaaten unterwerfen wollen, haben sie Europa und den Westen im Visier.

Im November 2014 fuhr er als bislang weltweit einziger westlicher Journalist in das Zentrum des IS-Staats, nach Mossul, hielt sich dort 10 Tage lang auf und führte weitere Interviews. In seinem Buch beschreibt er eindringlich seine Erlebnisse vor Ort.

Der Verlag über den Autor

Jürgen Todenhöfer, geboren 1940, saß 18 Jahre im deutschen Bundestag. Er war Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für Entwicklungshilfe und Rüstungskontrolle. Anschließend arbeitete er 22 Jahre an der Spitze eines großen europäischen Medienunternehmens. Immer wieder hat er die Kriegsschauplätze des Mittleren Ostens bereist, vor allem Afghanistan, Irak, Syrien und Palästina. Davon hat er in bewegenden Büchern wie »Wer weint schon um Abdul und Tanaya?«, »Andy und Marwa« und »Warum tötest du, Zaid?« berichtet. Zuletzt erschienen seine Bestseller »Teile dein Glück« (2010) und »Du sollst nicht töten« (2013). Mit seinen Buchhonoraren finanzierte er u. a. ein Waisenhaus in Afghanistan, ein HIV-Kinderkrankenhaus im Kongo und ein israelisch-palästinensisches Versöhnungsprojekt. Das Honorar für sein letztes Buch spendete er schwer verletzten syrischen Kindern. Das Honorar dieses Buches geht an syrische und irakische Flüchtlinge sowie an Kinder in Gaza.

Meine Gedanken zum Buch

In den Nachrichten begegnen sie einem täglich, Meldungen über kriegerische Auseinandersetzungen mit dem „Islamischen Staat“. In Deutschland ist diese Organisation seit 2014 verboten. Nun legte Jürgen Todenhöfer einen Bericht über die Vorbereitung und den Besuch des IS im Dezember 2014 vor. Jürgen Todenhöfer hat mich mit vielen seiner Bücher überzeugt und berührt. Ich schätze ihn als sachlichen Journalisten, der immer beide Seiten eines Konfliktes zu betrachten bemüht ist.

„Inside IS“ liegt eine 10-tägige Reise mitten in das Kriegsgebiet und damit ins Herz des „Isalamischen Staates“ zugrunde. Dieser Reise wurde akribisch vorbereitet und geplant, es wurden stundenlange Gespräche via Skype mit IS-Kämpfern geführt. Trotz seiner bekannt kritischen Meinung zum IS wurde ihm der Besuch im Kriegsgebiet gestattet und eine Sicherheitsgarantie ausgestellt. Dennoch war diese Reise alles andere als eine gewöhnliche Recherchereise, Tödenhöfer und seine Begleiter begaben sich in Lebensgefahr und auch der Kontakt zur Außenwelt brach für den Großteil des Aufenthalts ab. Die vom IS veröffentlichten Videos von getöteten westlichen Journalisten sind immer unterschwellig parat.

Schon bei den im Buch wiedergegebenen Protokollen der mittels Skype geführten Gespräche mit dem deutschen IS-Kämpfer wurde deutlich, dass es DIE Wahrheit nicht geben wird. Beide Seiten haben ihre Ansichten, die an sich unvereinbar sind. So kommt es immer wieder zu Redundanzen, da die konträren Standpunkte beider gebetsmühlenartig wiederholt und nicht wirklich diskutiert werden. So wird seitens des IS versucht, das Leben innerhalb ihres Einflussbereiches als vollkommen normal zu beschreiben. Der Grund der Einladung Jürgen Todenhöfers sei:

weil man zeigen wollte, dass der „Islamische Staat“ nicht nur Staat heiße, sondern auch Staat sei. Dass es hier ein ganz normales Leben gebe. Dass Verletzte und Kranke gut behandelt werden. Dass der Staat sich um die Armen kümmere. Dass man bei Gericht sein Recht bekomme. „Die Menschen fühlen sich bei uns sicher. Auch wenn manche uns nicht mögen, mögen sie unsere Sicherheit. Wir wollten Ihnen einfach zeigen, wie wir leben. Und dass man mit der Sharia leben kann und dass sie funktioniert“. (Aus einem Gespräch mit Abu Loth S. 263/264)

So habe ich dieses Buch mit viel Interesse gelesen. Trotzdem lege ich es mit etwas zwiegespaltenen Gefühlen zur Seite. Mir sind jetzt zwar der Standpunkt des Westens und die Ziele des IS hinlänglich bekannt. Aber mir fehlt ein wenig die globale Sicht der Dinge. Es wird zwar mehrfach betont, dass in dem „Islamischen Staat“, jeder seiner Religion ausleben könne, sofern er Jizya (eine Art Schutzgeld) bezahlt und nicht missioniert. Die Bedrohung, die der IS aber insbesondere für Israel darstellt, vor dessen Haustür der gegenwärtige Kampf tobt, wurde nach meinem Empfinden nicht ausreichend dargestellt. Außerdem wird mit diesem Buch dem IS eine Plattform geboten, sich zu erklären. Das finde ich ja eigentlich auch sehr informativ, besonders weil Jürgen Todenhöfer immer wieder unsere westlichen Werte dagegensetzt. Trotzdem bleibt ein etwas fragwürdiger Eindruck bei mir zurück und die Frage, hat es sich unter dem Strich für Jürgen Todenhöfer und seinen Sohn wirklich gelohnt, ein solches Risiko einzugehen.

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2 Antworten zu Jürgen Todenhöfer: Inside IS – 10 Tage im „Islamischen Staat“

  1. nomadenseele schreibt:

    Es wird zwar mehrfach betont, dass in dem „Islamischen Staat“, jeder seiner Religion ausleben könne, sofern er Jizya (eine Art Schutzgeld) bezahlt und nicht missioniert.

    – Das sollte man mal den Jesiden glaubhaft machen, deren Frauen wie Sklavinnen verkauft und vergewaltigt werden.
    Todenhöfer hat nicht umsonst den negativen Ruf eines Islamverstehers, der noch die größten Grausamkeiten schön schreibt.

    • Karthause schreibt:

      Als Islamversteher würde ich den Autor nach der Lektüre dieses Buches nicht unbedingt bezeichnen. Genau dieses von dir angesprochene Schicksal der Versklavung von (nicht nur) Jesidinnen spricht er ganz konkret an. Wobei Islamversteher für mich nicht negativ besetzt ist, du meinst aber sicher den Islamistenversteher.

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