Matteo Strukul – Medici – Die Macht des Geldes

Medici – Die Macht des Geldes von Matteo Strukul Quelle: Goldmann Verlag

Originaltitel: I Medici. Una dinastia al potere
Übersetzer:
Christine Heinzius, Ingrid Exo
Broschiert: 448 Seiten
Verlag: Goldmann Verlag
ISBN-13: 978-3442486625

Der Verlag über das Buch

Morde, Intrigen, Verschwörungen: die Medici und ihr blutiger Weg zur Macht.

Florenz im Februar 1429: Als der Bankier Giovanni de‘ Medici stirbt, hinterlässt er ein enormes Vermögen und ein hervorragend funktionierendes Netzwerk. Seine Söhne Cosimo und Lorenzo sollen gemeinsam die Leitung von Familie und Geschäft übernehmen. „Politisch nüchtern, im eigenen Leben maßvoll zurückhaltend, aber entschlossen im Handeln“ – das sind die fundamentalen Verhaltensregeln, die Giovanni seinen Söhnen sterbend aufträgt. Doch so einfach lässt sich sein letzter Wunsch nicht erfüllen, denn Giovanni hatte mächtige Feinde. Vor allem der verschlagene und blutrünstige Rinaldo degli Albizzi kennt nur ein Ziel: die Vorherrschaft in Florenz zu übernehmen. Und dafür ist ihm jedes Mittel recht …

Der Verlag über den Autor

Matteo Strukul wurde 1973 in Padua geboren. Er hat Jura studiert und in Europäischem Recht promoviert. Er gehört zu den neuen Stimmen der italienischen Literatur und hat sich bisher vor allem als Autor von Thrillern einen Namen gemacht, die für die wichtigen italienischen Literaturpreise nominiert wurden. Strukul lebt mit seiner Frau Silvia abwechselnd in Padua, Berlin und Transsilvanien.

Meine Gedanken zum Buch

Die Renaissance ist eine der Epochen, die mich sehr interessiert, da lag es nah dass ich auch zu diesem Medici-Roman griff. Verschiedenstes habe ich bereits über diese einflussreiche Familie gelesen, Sachbücher und Romane. So freute ich mich, als ich das Buch endlich in Händen hielt – die Enttäuschung folgte auf dem Fuße.

Von Beginn an fehlte es der Geschichte an Tiefgang. Die Medici nahmen nicht die Rolle in der Handlung ein, die mich der Titel erwarten ließ, dafür standen fiktive Personen im Vordergrund. Aber auch bei diesen waren die Charaktere nur oberflächlich gezeichnet und in die historische Kulisse gesetzt. Aber auch bei der historischen Genauigkeit gibt es aus meiner Sicht Ungereimtheiten. Als Beispiel sei hier Lorenzos Tod im Kreise seiner Kinder und Enkelkinder im Jahr 1440 genannt. Diese Enkel kann es zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht gegeben haben. Sprachlich ist der Roman auch sehr einfach gehalten, für ein wenig Verwirrung sorgte lediglich die Fülle der eingeführten Personen, denen man später nie mehr begegnete.

So habe ich dann irgendwann das Buch nur noch diagonal gelesen, von einer Lektüre der geplanten Fortsetzungen werde ich Abstand nehmen. Schade, ich hatte wesentlich mehr erwartet.

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Wladimir Kaminer – Goodbye Moskau

Goodbye Moskau von Wladimir Kaminer
Quelle: Goldmann Verlag

Betrachtungen über Russland
Broschiert: 224 Seiten
Verlag: Goldmann Verlag
ISBN-13: 978-3442159161

Der Verlag über das Buch

Wladimir Kaminer blickt anlässlich des 100. Jahrestages der Oktoberrevolution auf seine alte Heimat und sieht ein Land auf der Suche nach sich selbst. Das kommunistische Experiment ging unter dem Applaus der freien Welt zu Ende, die Menschen aber sind noch da, und sie brauchen eine Perspektive. Der Kapitalismus lockt als neues Erfolgsmodell, doch die Russen suchen unter der harten Sonne des Kapitals vergeblich nach einem schattigen Plätzchen. Überall liegen bereits die Handtücher anderer Länder. Statt Wohlstand, Fortschritt und Freiheit regieren Repression und Angst. Die politische Führung unter Putin beherrscht zwar die alten Techniken des Machterhalts, aber keine zur Gestaltung der Zukunft. Vorbei an Europa hat sie den Weg in die Vergangenheit und die Isolation eingeschlagen. Mehr als genug Stoff also für eine liebevoll verzweifelte Auseinandersetzung mit Russland.

Der Verlag über den Autor

Seine kaukasische Schwiegermutter, die deutsche Liebe zum Rhabarber, die Freuden und Qualen des Vaterseins oder russische Popmusik inspirieren Wladimir Kaminer (*1967) zu seinen humorvollen Texten. Der ausgebildete Toningenieur und studierte Dramaturg zog 1990 von Moskau nach Berlin, wo er heute mit seiner Familie lebt. In Deutschland begann Kaminer über Alltagsbeobachtungen und die Eigenheiten der Einheimischen zu schreiben. Sein erstes Buch „Schönhauser Allee“ erschien 2001. Kaminer widmet sich außerdem in der Hörbuchreihe „Berichte aus den Tiefen der russischen Literatur“ den berühmtesten Schriftstellern seines Heimatlandes. Auch als Initiator der inzwischen international bekannten Tanzveranstaltung „Russendisko“ machte sich Kaminer einen Namen.

Meine Gedanken zum Buch

Wladimir Kaminer ist wohl einer der in Deutschland populärsten Russen. Sein Humor ist mitreißend und bei seinen Büchern ist das Lachen vorprogrammiert. So war ich neugierig auf dieses Buch, in dem er einen Blick auf seine alte Heimat richtet. In 33 Kurzgeschichten, nur wenige sind länger als 10 Seiten, bringt er dem Leser Russland und die Mentalität der Russen näher. Immer mit einem Augenzwinkern nur in ganz wenigen Fällen fand ich den Humor etwas aufgesetzt, so zum Beispiel in der Geschichte „Die Demos meines Lebens“.

Leicht, unterhaltsam, mit einer guten Portion Selbstironie und mit seiner ganz speziellen Art von Humor schildert er Erlebnisse und Begebenheiten aus Russland. Dabei findet er eine gelungene Mischung aus Ernsthaftigkeit und Witz. In der derzeit politisch angespannten Beziehung zu Russland empfinde ich dieses Buch als recht wichtig, denn es bringt dem Leser den Russen (oder eher den Autor selbst?) näher, wie sagt Kaminer so passend, man erfährt, wie die Russen ticken.

Für mich ist dieses Buch, dass ich weder in die Kategorie Sachbuch noch in die der Belletristik einordnen kann – ein echter Kaminer eben, interessant und lesenswert. Ein wenig fehlte mir der historische Bezug zur Oktoberrevolution, den ich auch nur nach Kenntnis des Klappentextes erwartete.

Wer aber Kaminers Erzählungen über seine alte Heimat wirklich genießen will, sollte zum Hörbuch greifen, das hat einen ganz besonderen Charme, weil es von Wladimir Kaminer selbst gelesen wird.

 

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Peter Gallert/Jörg Reiter – Glaube Liebe Tod

Quelle: Ullstein Verlag

Taschenbuch: 416 Seiten
Verlag: Ullstein Taschenbuch
ISBN-13: 978-3548288918

Der Verlag über das Buch

Woran kann man glauben in einer Welt voller Verbrechen?

Ein Polizist steht auf der Duisburger Rheinbrücke und will sich in die Tiefe stürzen. Der Seelsorger Martin Bauer soll ihn daran hindern. Er klettert einfach über das Geländer und springt selbst. Überrumpelt springt der Beamte hinterher, um Bauer zu retten. Gemeinsam können sie sich aus dem Wasser ziehen. Bauer hat hoch gepokert, aber gewonnen. Doch wenige Stunden später ist der Polizist tot, nach einem Sturz vom Deck eines Parkhauses. Ein klarer Fall von Selbstmord, gegen den Beamten wurde wegen Korruption ermittelt. Bauer weiß nicht, was er glauben soll. Und er sieht die Verzweiflung in der Familie des Toten. Auf der Suche nach der Wahrheit setzt er alles aufs Spiel …

Der Verlag über die Autoren

Peter Gallert wurde 1962 in Bonn geboren. Ein Germanistik- und Geschichtsstudium brach er erfolgreich ab. Seit den 90er Jahren Drehbuchautor für TV-Serien von Krimi bis Krankenhaus (in Zusammenarbeit mit Jörg Reiter). Er ist Karate-Kindertrainer, hat drei Töchter und lebt mit seiner Familie in Köln.

Jörg Reiter wurde 1952 in Düsseldorf geboren. Nach dem Studium (u.a. der Ethnologie und Filmwissenschaft) und Promotion Dozent in Köln und Heidelberg. Seit 1992 freier Autor: Sachbuch, Rateshow, Dokumentarfilm. Dann Drehbücher für TV-Serien von Krimi bis Krankenhaus (mit Peter Gallert). Der Autor lebt in Köln.

Meine Gedanken zum Buch

Auf einer Duisburger Autobahnbrücke steht ein Mann und will in den Rhein springen. Er ist Polizist. Der Polizeiseelsorger Martin Bauer soll ihn vom Selbstmord abbringen und springt selbst in Fluss, darauf hoffend, dass der Lebensmüde versucht, ihn zu retten. Sein Plan geht auf, aber nur Stunden später wird der Polizist tot vor einem Parkhaus aufgefunden. Anscheinend hat er seinem Leben durch einen Sprung in die Tiefe ein Ende gesetzt.

Von der ersten Seite zog mich dieser Krimi in seinen Bann. Von Beginn an war die Spannung vorhanden, die nie ganz abflachte. Es gab ruhigere Stellen, aber Längen empfand ich beim Lesen nie.

„Glaube, Liebe, Tod“ ist der Auftakt einer Reihe um den Polizeiseelsorger Martin Bauer. In diesem wurden neben den Ermittlungen um den Tod des Polizisten, dessen Akte der Polizeichef so gern als Selbsttötung schließen würde, die ermittelnden Personen eingeführt. Das ist neben dem Pfarrer in erster Linie noch die Kommissarin Verena Dohr. Beide haben auch persönliche Probleme. Die zwar ihren Raum im Roman einnehmen, aber nicht zu sehr in den Vordergrund rücken, dass sie die eigentliche Handlung überlagern. Die Handlung aus verschiedenen Perspektiven erzählt, so dass der Leser auch über die Hintergründe gut informiert ist. Gut und sehr bildhaft waren die Schauplätze beschrieben.

Mir hat der Duisburg-Krimi gut gefallen. Lokalkolorit und ein eigenwilliges Ermittlerduo sorgten für gute und spannende Unterhaltung.

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Roman Rausch – Die Brücke über den Main

Quelle: Rowohlt Verlag

Taschenbuch: 544 Seiten
Verlag: Rowohlt Taschenbuch Verlag
ISBN-13: 978-3499272837

Der Verlag über das Buch

Eine Brücke für alle Zeiten

Die Alte Mainbrücke in Würzburg blickt auf eine fast tausendjährige Geschichte zurück. Das wechselvolle Schicksal dieses Bauwerks erzählt Roman Rausch in einem großen, Jahrhunderte überwölbenden Roman. Von ihrem sagenhaften Bau über Zeiten von Bruderzwist, Not und Wohlstand, Hexenwahn und Bauernkrieg, bis zur Sprengung durch die Nazis vor den anrückenden Amerikanern wird hier die Geschichte einer Stadt und einer Landschaft zum Leben erweckt.

Ein historischer Roman wie ein Gemälde der Zeit

Der Verlag über den Autor

Roman Rausch, 1961 in Mainfranken geboren und aufgewachsen, arbeitete nach dem Studium der Betriebswirtschaft im Medienbereich und als Journalist. Für seine Würzburger Kommissar-Kilian-Krimis wurde er 2002 auf der Leipziger Buchmesse und 2011 mit dem Weintourismuspreis ausgezeichnet. 2015 folgte der Bronzene HOMER für «Die letzte Jüdin von Würzburg». Er lebt als Autor und Schreibcoach in Würzburg und Berlin.

Meine Gedanken zum Buch

Oft finde ja kritische Worte zum Verlagstext, oft überfliege ich ihn nur. Aber dieser sagt genau das was das Buch ausmacht. In verschiedenen Episoden erzählt Roman Rausch die Geschichte der Würzburger Mainbrücke. Er beginnt in grauer Vorzeit als sich ein germanischer Stamm an einer Furt am Main niederlässt, dessen Krieger Virdis maßgeblich für den Namen der Stadt ist und endet im Jahr 1945. Zwischen den einzelnen Episoden sind kurze historische Abhandlungen eingefügt, die es dem Leser ermöglichen, sich in die jeweilige Epoche einzufühlen.

So wird die Geschichte eines Bauwerkes ebenso unterhaltsam wie auch lehrreich erzählt. Es ist ein äußerst interessanter Streifzug durch die wechselhafte Historie, meine Erwartungen an diesen Roman waren nicht sehr hoch, doch ich wurde im positiven Sinne sehr überrascht. Schon die bisher erschienenen Romane Roman Rauschs habe ich mit viel Interesse und großer Begeisterung gelesen, „Die Brücke über den Main“ schließt sich der Reihe sehr guter und lesenswerter historischer Roman nahtlos an.

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Druckfrisch am 8. Mai 2017

In der Nacht von Sonntag auf Montag, 08. Mai 2017, gibt es wieder Druckfrisch(es) auf DasErste um 00.10 Uhr.

Laut Newsletter der Sendung sind die Themen:

* Olga Grjasnowa: „Gott ist nicht schüchtern“

* Kafka, Shakespeare, Blumenbeet – Kat Menschiks großartige Bilderwelt

* Denis Scheck empfiehlt „Die drei Sonnen“ von Cixin Liu

* Denis Schecks Kommentar zu den Büchern auf der aktuellen Spiegel-Bestsellerliste (diesmal Sachbuch)

Quelle Foto und Information: Druckfrisch Newsletter DasErste.de

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Susanne Kliem – Das Scherbenhaus

Das Scherbenhaus – Susanne Kliem Quelle: carl’s books

Broschiert: 336 Seiten
Verlag: carl’s books
ISBN-13: 978-3570585665

Der Verlag über das Buch

Subtil und beklemmend: Ein genialer psychologischer Spannungsroman

Carla Brendel wird seit Monaten von einem Stalker verfolgt, der ihr Fotos mit bedrohlichen Motiven schickt: Menschliche Haut. Ein Messer. Wunden. Aus Angst vor dem Fremden flüchtet sie aus ihrer idyllischen Heimatstadt in Norddeutschland zu ihrer Halbschwester nach Berlin. In Ellens luxuriöser Wohnanlage „Safe Haven“, die mit neuesten Sicherheitssystemen ausgestattet ist, fühlt sie sich beschützt. Doch kurz nach ihrer Ankunft verschwindet Ellen spurlos, ihre Leiche wird wenige Tage später aus der Spree geborgen. Ein tragischer Unfall? Oder wissen die anderen Hausbewohner mehr, als sie sagen? Carlas Zweifel wachsen. Sie bleibt und sucht nach der Wahrheit. Dabei merkt sie schnell, dass im „Safe Haven“ ganz eigene Regeln und Gesetze herrschen. Und es tödlich enden kann, wenn man zu viele Fragen stellt …

Der Verlag über die Autorin

Susanne Kliem wurde 1965 am Niederrhein geboren. Sie arbeitete als Pressereferentin für Fernsehserien von ARD und ZDF und für das größte deutsche Theaterfestival »Theater der Welt«. Seit 2009 schreibt sie Krimis, für die sie bereits mit mehreren Preisen ausgezeichnet wurde.

Mehr Informationen sind auf der Autoren-Website zu finden: www.susannekliem.de

Meine Gedanken zum Buch

Weil Carla Brendel gestalkt wird, flüchtet sie aus Stade zu ihrer Halbschwester nach Berlin. Diese besitzt dort eine Immobilie, die hochmodern und nach dem aktuellsten Stand rundum gesichert ist. Aber bereits kurz nach Carlas Ankunft verschwindet Ellen. Hilfe sucht Carla bei den Bewohnern der Wohnanlage.

Als Leser empfindet man „Das Scherbenhaus“ wie ein Puzzle, dessen Teile es heißt zusammenzusetzen. Wer stalkt Carla? Warum ist Ellen verschwunden? Ist ihr etwas zugestoßen und wenn ja, weshalb? Welchem der Hausbewohner kann Carla vertrauen? Welche Geheimnisse verbinden sie? Wer verfolgt welche Interessen?

Susanne Kliem fängt mit dieser Fülle an Fragen ihre Leser in der Hoffnung auf Antworten ganz geschickt ein. Diese findet man aber nur nach und nach und die gilt es auch immer wieder zu hinterfragen. Das garantiert durchgängige Spannung und einen guten Lesefluss.

Die Personen wurden recht gut entwickelt, Carla selbst kam mir ein wenig naiv vor, aber sie passte gut in die Rolle, der arglosen Kleinstädterin in der Großstadt. Keiner der Protagonisten war nur gut. Jeder hatte seine dunklen Geheimnisse und so tappte Carla in so manche von erfahrenen Thrillerlesern offenkundig erkennbare Falle.

„Das Scherbenhaus“ ließ sich schnell und gut lesen. Einzig auf die eingebettete Liebesgeschichte hätte ich gut verzichten können.

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Julie von Kessel – Altenstein

Quelle: rowohlt.de

Gebundene Ausgabe: 432 Seiten
Verlag: Kindler
ISBN-13: 978-3463406770

Der Verlag über das Buch

Die Geschichte einer alten Adelsfamilie, die an ihrem Erbe fast zerbricht.

Im Winter 1945 sitzt ein Kind in einem überfüllten Personenzug von Königsberg nach Westen. Sehnsüchtig blickt der kleine Konni hinaus in den Schnee – seine Mutter ist nicht mitgekommen. Gräfin Agnes von Kolberg wird ihren zehn Kindern erst später auf das Gut Altenstein in Brandenburg folgen, der Vater fällt im Kampf um Ostpreußen. Doch auch ihren Sommersitz muss die Familie auf der Flucht vor der Front verlassen.

Die Geschwister wachsen in ärmlichen Verhältnissen bei Bonn auf. Die traumatischen Ereignisse ihrer frühen Kindheit und der Umgang mit der selbstherrlichen Matriarchin Agnes schweißt sie eng zusammen. Besonders Konni und seine nächstältere Schwester Nona unterstützen sich lebenslang, durch die Höhen und Tiefen ihrer Ehen, Scheidungen, Geldnöte und Beziehungen hindurch.

Doch dann kommt die Wende – und Konni wittert seine Chance. Er möchte Gut Altenstein in den Familienbesitz zurückholen. Das Geld dafür muss er sich bei einer seiner Schwestern leihen. Zwischen den Geschwistern entbrennt ein erbitterter Streit um das Gut, der viele Fragen aufwirft: politische, gesellschaftliche, Fragen nach alten Wunden und Loyalitäten, Fragen nach dem eigenen Selbstverständnis.

Altenstein handelt vom Zerfall einer adligen Familie und einem exemplarischen Stück deutscher Geschichte. In klarer Sprache und mit großer Unmittelbarkeit erzählt Julie von Kessel von Charakteren, die so ungewöhnlich und lebendig sind, dass man sie lange nicht vergisst.

Der Verlag über die Autorin

Julie von Kessel ist Journalistin und arbeitet seit mehr als zehn Jahren beim ZDF. Sie wuchs in Helsinki, Wien, Zagreb, Bonn und Washington D.C. auf und lebt mit ihrer Familie in Berlin.

Meine Gedanken zum Buch

Heimat ist nicht nur ein Gefühl

Vom Zweiten Weltkrieg bis ins Jahr 2005 verfolgt Julie von Kessel die Lebenswege der adeligen Familie. Die Flucht vom Gut in Ostpreußen, die Suche nach dem Platz im Leben in der Nachkriegszeit, die zehn Kinder und die sich aus dem vereinten Deutschland ergebenden Chancen bilden den Kern des Romans. In verschiedenen Zeitebenen wird in acht großen Abschnitten das Augenmerk auf die den Roman tragenden Personen gelenkt. Dabei erfolgen die Wechsel zwischen den Jahren recht schnell. Das bringt einerseits Schnelligkeit in den Lesefluss, geht aber konform mit der Unruhe im Leben der Familie und verdeutlicht diese. Die starken Charaktere in „Altenstein“ sind vor allem die Frauen. Sie sind die Stützen der Familie und geben besonders Konrad, dem ewig Suchenden, Halt.

Ausdrucksstark, klar und einfühlsam hat die Autorin diese Familiengeschichte erzählt und Personen voller Stärke, aber auch die voller Zweifel und Hoffnung vorgestellt, in die man sich hineinversetzen und zu denen man Sympathien oder Antipathien aufbauen konnte.

Julie von Kessel ist ein starkes Debüt gelungen, das ich sehr gern gelesen habe.

Veröffentlicht unter 2017, Belletristik | Verschlagwortet mit , , , , | Kommentar hinterlassen