Druckfrisch am 8. Mai 2017

In der Nacht von Sonntag auf Montag, 08. Mai 2017, gibt es wieder Druckfrisch(es) auf DasErste um 00.10 Uhr.

Laut Newsletter der Sendung sind die Themen:

* Olga Grjasnowa: „Gott ist nicht schüchtern“

* Kafka, Shakespeare, Blumenbeet – Kat Menschiks großartige Bilderwelt

* Denis Scheck empfiehlt „Die drei Sonnen“ von Cixin Liu

* Denis Schecks Kommentar zu den Büchern auf der aktuellen Spiegel-Bestsellerliste (diesmal Sachbuch)

Quelle Foto und Information: Druckfrisch Newsletter DasErste.de

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Susanne Kliem – Das Scherbenhaus

Das Scherbenhaus – Susanne Kliem Quelle: carl’s books

Broschiert: 336 Seiten
Verlag: carl’s books
ISBN-13: 978-3570585665

Der Verlag über das Buch

Subtil und beklemmend: Ein genialer psychologischer Spannungsroman

Carla Brendel wird seit Monaten von einem Stalker verfolgt, der ihr Fotos mit bedrohlichen Motiven schickt: Menschliche Haut. Ein Messer. Wunden. Aus Angst vor dem Fremden flüchtet sie aus ihrer idyllischen Heimatstadt in Norddeutschland zu ihrer Halbschwester nach Berlin. In Ellens luxuriöser Wohnanlage „Safe Haven“, die mit neuesten Sicherheitssystemen ausgestattet ist, fühlt sie sich beschützt. Doch kurz nach ihrer Ankunft verschwindet Ellen spurlos, ihre Leiche wird wenige Tage später aus der Spree geborgen. Ein tragischer Unfall? Oder wissen die anderen Hausbewohner mehr, als sie sagen? Carlas Zweifel wachsen. Sie bleibt und sucht nach der Wahrheit. Dabei merkt sie schnell, dass im „Safe Haven“ ganz eigene Regeln und Gesetze herrschen. Und es tödlich enden kann, wenn man zu viele Fragen stellt …

Der Verlag über die Autorin

Susanne Kliem wurde 1965 am Niederrhein geboren. Sie arbeitete als Pressereferentin für Fernsehserien von ARD und ZDF und für das größte deutsche Theaterfestival »Theater der Welt«. Seit 2009 schreibt sie Krimis, für die sie bereits mit mehreren Preisen ausgezeichnet wurde.

Mehr Informationen sind auf der Autoren-Website zu finden: www.susannekliem.de

Meine Gedanken zum Buch

Weil Carla Brendel gestalkt wird, flüchtet sie aus Stade zu ihrer Halbschwester nach Berlin. Diese besitzt dort eine Immobilie, die hochmodern und nach dem aktuellsten Stand rundum gesichert ist. Aber bereits kurz nach Carlas Ankunft verschwindet Ellen. Hilfe sucht Carla bei den Bewohnern der Wohnanlage.

Als Leser empfindet man „Das Scherbenhaus“ wie ein Puzzle, dessen Teile es heißt zusammenzusetzen. Wer stalkt Carla? Warum ist Ellen verschwunden? Ist ihr etwas zugestoßen und wenn ja, weshalb? Welchem der Hausbewohner kann Carla vertrauen? Welche Geheimnisse verbinden sie? Wer verfolgt welche Interessen?

Susanne Kliem fängt mit dieser Fülle an Fragen ihre Leser in der Hoffnung auf Antworten ganz geschickt ein. Diese findet man aber nur nach und nach und die gilt es auch immer wieder zu hinterfragen. Das garantiert durchgängige Spannung und einen guten Lesefluss.

Die Personen wurden recht gut entwickelt, Carla selbst kam mir ein wenig naiv vor, aber sie passte gut in die Rolle, der arglosen Kleinstädterin in der Großstadt. Keiner der Protagonisten war nur gut. Jeder hatte seine dunklen Geheimnisse und so tappte Carla in so manche von erfahrenen Thrillerlesern offenkundig erkennbare Falle.

„Das Scherbenhaus“ ließ sich schnell und gut lesen. Einzig auf die eingebettete Liebesgeschichte hätte ich gut verzichten können.

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Julie von Kessel – Altenstein

Quelle: rowohlt.de

Gebundene Ausgabe: 432 Seiten
Verlag: Kindler
ISBN-13: 978-3463406770

Der Verlag über das Buch

Die Geschichte einer alten Adelsfamilie, die an ihrem Erbe fast zerbricht.

Im Winter 1945 sitzt ein Kind in einem überfüllten Personenzug von Königsberg nach Westen. Sehnsüchtig blickt der kleine Konni hinaus in den Schnee – seine Mutter ist nicht mitgekommen. Gräfin Agnes von Kolberg wird ihren zehn Kindern erst später auf das Gut Altenstein in Brandenburg folgen, der Vater fällt im Kampf um Ostpreußen. Doch auch ihren Sommersitz muss die Familie auf der Flucht vor der Front verlassen.

Die Geschwister wachsen in ärmlichen Verhältnissen bei Bonn auf. Die traumatischen Ereignisse ihrer frühen Kindheit und der Umgang mit der selbstherrlichen Matriarchin Agnes schweißt sie eng zusammen. Besonders Konni und seine nächstältere Schwester Nona unterstützen sich lebenslang, durch die Höhen und Tiefen ihrer Ehen, Scheidungen, Geldnöte und Beziehungen hindurch.

Doch dann kommt die Wende – und Konni wittert seine Chance. Er möchte Gut Altenstein in den Familienbesitz zurückholen. Das Geld dafür muss er sich bei einer seiner Schwestern leihen. Zwischen den Geschwistern entbrennt ein erbitterter Streit um das Gut, der viele Fragen aufwirft: politische, gesellschaftliche, Fragen nach alten Wunden und Loyalitäten, Fragen nach dem eigenen Selbstverständnis.

Altenstein handelt vom Zerfall einer adligen Familie und einem exemplarischen Stück deutscher Geschichte. In klarer Sprache und mit großer Unmittelbarkeit erzählt Julie von Kessel von Charakteren, die so ungewöhnlich und lebendig sind, dass man sie lange nicht vergisst.

Der Verlag über die Autorin

Julie von Kessel ist Journalistin und arbeitet seit mehr als zehn Jahren beim ZDF. Sie wuchs in Helsinki, Wien, Zagreb, Bonn und Washington D.C. auf und lebt mit ihrer Familie in Berlin.

Meine Gedanken zum Buch

Heimat ist nicht nur ein Gefühl

Vom Zweiten Weltkrieg bis ins Jahr 2005 verfolgt Julie von Kessel die Lebenswege der adeligen Familie. Die Flucht vom Gut in Ostpreußen, die Suche nach dem Platz im Leben in der Nachkriegszeit, die zehn Kinder und die sich aus dem vereinten Deutschland ergebenden Chancen bilden den Kern des Romans. In verschiedenen Zeitebenen wird in acht großen Abschnitten das Augenmerk auf die den Roman tragenden Personen gelenkt. Dabei erfolgen die Wechsel zwischen den Jahren recht schnell. Das bringt einerseits Schnelligkeit in den Lesefluss, geht aber konform mit der Unruhe im Leben der Familie und verdeutlicht diese. Die starken Charaktere in „Altenstein“ sind vor allem die Frauen. Sie sind die Stützen der Familie und geben besonders Konrad, dem ewig Suchenden, Halt.

Ausdrucksstark, klar und einfühlsam hat die Autorin diese Familiengeschichte erzählt und Personen voller Stärke, aber auch die voller Zweifel und Hoffnung vorgestellt, in die man sich hineinversetzen und zu denen man Sympathien oder Antipathien aufbauen konnte.

Julie von Kessel ist ein starkes Debüt gelungen, das ich sehr gern gelesen habe.

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Titus Müller – Der Tag X

Der Tag X von Titus Mueller Quelle: Blessing Verlag

Gebundene Ausgabe: 400 Seiten
Verlag: Karl Blessing Verlag
ISBN-13: 978-3896675040

Der Verlag über den Roman

Der große Roman über den Aufstand am 17. Juni 1953, als 24 Stunden alles möglich schien.

Seit ihr Vater als Wissenschaftler zu einem Leben im fernen Russland gezwungen wurde, passt Nelly sich ihrer Ostberliner Umgebung immer weniger an. Sie engagiert sich in einer kirchlichen Jugendorganisation und wird im Frühjahr 1953 kurz vor dem Abitur von der Schule geworfen. Trost könnte sie bei dem jungen Uhrmacher Wolf Uhlitz finden, der sich in sie verliebt hat. Er will ihr helfen, legt sich dafür sogar mit seinem Vater an, entwendet staatliche Dokumente und landet im Gefängnis. Was Wolf nur vage ahnt: Die junge Nelly steht in einer geheimnisvollen Verbindung mit einem russischen Spion namens Ilja, der sie mit Nachrichten über ihren verschleppten Vater versorgt und den Austausch von Briefen mit ihm vermittelt. Wie Wolf träumt auch Ilja von einem Leben mit Nelly – aber als sich in Berlin und Halle die Unzufriedenheit mit dem Regime in Massendemonstrationen entlädt, hängt ihrer aller Leben an seidenen Fäden.

Titus Müller erzählt eindringlich und packend vom Leben der Aufbegehrenden und entfaltet authentisch und detailgenau das Panorama eines Aufstandes, der beispielhaft wurde.

Der Verlag über den Autor

Titus Müller, geboren 1977, studierte Literatur, Mittelalterliche Geschichte, Publizistik und Kommunikationswissenschaften. Mit 21 Jahren gründete er die Literaturzeitschrift Federwelt. Seine historischen Romane begeistern viele Leser. Titus Müller ist Mitglied des PEN-Club und wurde u.a. mit dem C. S.-Lewis-Preis und dem Sir-Walter-Scott-Preis ausgezeichnet.

Meine Gedanken zum Buch

Nelly Findeisens Vater war Wissenschaftler und wurde im Oktober 1946 in die Sowjetunion abkommandiert, besser gesagt verschleppt. Sieben Jahre später, im Frühjahr 1953, ist sie kurz davor, ihr Abitur zu machen. Aber sie ist Christin, geht regelmäßig zur Jungen Gemeinde, einer christlichen Jugendorganisation und unmittelbar vor den Prüfungen wird sie deshalb der Schule verwiesen. Dann lernt sie Wolf Uhlitz kennen. Der ist ein junger Uhrmacher, der seinen Beruf und bald auch Nelly liebt. Allerdings wurde er von der Stasi gezwungen, Informationen über diese Treffen weiterzugeben.

Weitere Handlungsstränge drehen sich um Lotte, Katerina und Marc in Halle und um den sowjetischen Spion Ilja.

Rund um die Geschehnisse des 17. Juni 1953 in der DDR baut Titus Müller seine Geschichte aus Liebe, Spionage, Verrat und einen niedergeschlagenen Arbeiteraufstand auf. Gekonnt erzählt er von den Geschehnissen, die letzten Endes zum Aufstand der Arbeiter führten. Dabei verwebt er gekonnt die familiären Situationen, die sich anbahnenden Romanzen und Zerwürfnisse mit der großpolitischen Lage. Ich bin selbst in der DDR aufgewachsen, kenne diese Zeit aber auch nur aus Erzählungen. Die im Buch geschilderten Stimmungen und die mir in Erinnerung gebliebenen Berichte sind jedoch weitgehend identisch.

Das für diesen Roman gewählte Thema finde ich großartig, denn diese Zeit wird auch in den Schulen häufig nur sehr flüchtig behandelt, wenn überhaupt. Zudem stellt der Autor auch unter Beweis, dass er auch über die neuere Zeit erkenntnisvermittelnd zu unterhalten weiß.

„Der Tag X“ ist ein faszinierender Roman mit Personen, die lebensecht erscheinen und den Leser in eine spannende Handlung hineinziehen. Der Roman wird durch einen umfangreichen hochinteressanten Anhang abgerundet.

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Sabine Thiesler – Nachts in meinem Haus

Nachts in meinem Haus von Sabine Thiesler Quelle: Heyne Verlag

Nachts in meinem Haus von Sabine Thiesler
Quelle: Heyne Verlag

Gebundene Ausgabe: 512 Seiten
Verlag: Heyne Verlag
ISBN-13: 978-3453269699

Der Verlag über das Buch

Tom ist ein anerkannter Kunstmaler, dazu reich und glücklich verheiratet. Alles läuft perfekt für ihn. Bis eines Nachts in seinem Haus etwas Schreckliches passiert. Unter Schock flieht er in ein toskanisches Bergdorf. Doch was ihm zunächst wie das Paradies erscheint, entpuppt sich schnell als Hölle. Tom hält das Alleinsein nicht aus, fühlt sich eingesperrt und verfolgt. Als er begreift, dass er niemandem mehr vertrauen kann, auch seinen Freunden nicht, ist es zu spät: Er trifft eine verhängnisvolle Entscheidung . . .

Der Verlag über die Autorin

Sabine Thiesler, geboren und aufgewachsen in Berlin, studierte Germanistik und Theaterwissenschaften. Sie arbeitete einige Jahre als Schauspielerin im Fernsehen und auf der Bühne und schrieb außerdem erfolgreich Theaterstücke und zahlreiche Drehbücher fürs Fernsehen (u.a. Das Haus am Watt, Der Mörder und sein Kind, Stich ins Herz und mehrere Folgen für die Reihen Tatort und Polizeiruf 110). Bereits mit ihrem ersten Roman Der Kindersammler stand sie monatelang auf den Bestsellerlisten. Ebenso mit den folgenden Büchern Hexenkind, Die Totengräberin, Der Menschenräuber, Nachtprinzessin, Bewusstlos, Versunken und zuletzt Und draußen stirbt ein Vogel.

Meine Gedanken zum Buch

Tom bringt während eines Unwetters seine Frau zum Flughafen und will die Nacht mit seiner Affäre verbringen. Alles läuft wie geplant, bis auf einmal Geräusche im Haus zu hören sind. Ein Einbrecher wird vermutet. Wegen des vom Wetter verursachten Stromausfalls schleicht Tom mit einer Harpune bewaffnet durch das Haus. Dann nimmt er einen Schatten wahr, drückt ab und tötet seine überraschend heimgekehrte Frau. In Panik schickt er die Geliebte nach Hause und bittet deren Ehemann, der nicht nur Anwalt sondern auch Toms bester Freund ist, um Hilfe. Gemeinsam entwickeln sie einen Plan, der ebenso unlogisch wie abstrus ist, um Tom ein Alibi zu verschaffen und ihn aus den zu erwartenden Ermittlungen herauszuhalten. Tom flüchtet in das Ferienhaus seines Freundes nach Italien. Aber der findet, während er den Tatort für die Polizei vorbereitet, einen Ohrring seiner Frau. Nun will er Toms Problem auf seine Art lösen.

Der Einstieg in den Roman, als Krimi möchte ich nicht bezeichnen, ebenso wenig als Thriller, ist temporeich und vielversprechend. Aber schon, nachdem Tom seine Ehefrau getötet hat, stellte sich mir die Frage, die durchgehend Bestand hat, warum tut er das? Toms Panik lässt ihn völlig unlogische und nicht nachvollziehbare Entscheidungen treffen. Jedem Laien ist klar, dass er sich damit nicht vom Verdacht des Mordes befreien kann. Aber auch das Verhalten der anderen in das Geschehen involvierte Personen ergibt wenig Sinn. So war dann meine Motivation, das Buch nicht unvollendet zur Seite zu legen, die Neugier auf weitere Ideen der Protagonisten zum Verschleiern, Vortäuschen, Rächen. Die Autorin machte es mit aber auch nicht besonders schwer, am Buch zu bleiben. Der Schreibstil ist flüssig und die Charaktere der Personen waren, so sonderlich sie auch erschienen, gut beschrieben.

Ach ja, der aus vorherigen Werken der Autorin bekannte italienische Ermittler Neri kam auch wieder zum Zuge. Aber er war selbst in einer schwierigen persönlichen und familiären Situation, die im Buch ein wenig isoliert stand, da sie in den Handlungsrahmen nicht so recht passte.

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Corina Bomann – Sturmherz

sturmherz

Quelle: Ullstein Verlag

Taschenbuch: 528 Seiten
Verlag: Ullstein Taschenbuch
ISBN-13: 978-3548288390

 

Der Verlag über das Buch

Alexa Petri hat schon seit vielen Jahren ein schwieriges Verhältnis zu ihrer Mutter Cornelia. Doch nun liegt Cornelia im Koma, und Alexa muss ihre Vormundschaft übernehmen. Sie findet einen Brief, der Cornelia in einem ganz neuen Licht erscheinen lässt: als leidenschaftliche junge Frau im Hamburg der frühen sechziger Jahre. Und als Opfer der schweren Sturmflutkatastrophe. Alexa beginnt zu ahnen, wer ihre Mutter wirklich ist. Als ein alter Freund von Cornelia auftaucht, ergreift Alexa die Chance, sich von der Frau erzählen zu lassen, die sie schließlich auch verstehen und lieben lernt.

Der Verlag über die Autorin

Corina Bomann ist in einem kleinen Dorf in Mecklenburg-Vorpommern aufgewachsen und lebt mittlerweile in Berlin. Sie hat bereits erfolgreich Jugendbücher und historische Romane geschrieben, bevor ihr mit Die Schmetterlingsinsel der absolute Durchbruch gelang. Seither gehört sie zur ersten Garde der deutschen Unterhaltungsschriftstellerinnen.

Mehr über die Autorin findet man auf ihrer Homepage: www.corina-bomann-online.de

Meine Gedanken zum Buch

Seit frühester Jugend ist das Verhältnis zwischen Alexa und ihrer Mutter kompliziert. Als diese wegen eines Schlaganfalls ins Krankenhaus kommt und Alexa die Unterlagen nach einer Patientenverfügung durchsucht, kommt sie langsam hinter das Geheimnis der Mutter, durch das auch ihr Leben nachhaltig geprägt wurde. Sie findet aber nicht nur Unterlagen, die mehr Fragen aufwerfen als beantworten, sie lernt auch den Mann kennen, der die große Liebe der Mutter war.

Eigentlich ist „Sturmherz“ ja nach einem altbekannten Muster gestrickt. Ein schwieriges Mutter-Tochter-Verhältnis nach einem geheimnisvollen, wochenlangen Verschwinden der Mutter und einer Katastrophe, die zwei Liebende trennt. Aber trotzdem unterscheidet sich dieser Roman, von ähnlich thematisierten. Er weist lebendig agierende Personen auf, deren innere Zerrissenheit spürbar und nachvollziehbar wird. Die Charaktere sind fein gezeichnet, weisen Stärken und Schwächen auf, durch die sie sehr menschlich und natürlich wirken. Darüber hinaus sind es die alltäglichen Szenen, die mich gerührt haben. Die Sorge um die Mutter, trotz all der ungeklärten Fragen, dem Gefühl nicht geliebt zu werden und all dem gegenseitigen Unverständnis. Die Vorbehalte gegen den Mann, der immer das Leben der Mutter beeinflusste, ohne je wirklich für sie greifbar zu sein. Die Sorge der Tochter, all den neuen Herausforderungen nicht entsprechen zu können.

Die Fragen, die neben der Protagonistin auch die Leser beschäftigen, werden nicht in einer großen Lebensbeichte sondern nach und nach geklärt. Dadurch bekommt dieser Roman einen durchgehenden Spannungsbogen, der auch nicht durch die sich langsam entwickelte Liebesgeschichte beeinträchtigt wird, deren Ende ebenso schlüssig wie absehbar ist.

„Sturmherz“ ist ein sehr unterhaltsamer und sehr angenehm zu lesender Roman. Er wirft Alltagsfragen auf, macht nachdenklich und berührt zugleich. Die sich vorsichtig anbahnende Beziehung, die Alexa eingeht, passt sehr gut in den Roman. Ohne diese wäre der Roman um einiges ärmer. Sie ist nicht rosarot kitschig, lässt den Roman aber etwas heller und leichter erscheinen. Ich habe „Sturmherz“ sehr gern gelesen.

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Richard Dübell – Der Jahrhunderttraum

jahrhunderttraum

Quelle: Ullstein Verlag

Broschiert: 736 Seiten
Verlag: Ullstein Taschenbuch
ISBN-13: 978-3548288277

Der Verlag über das Buch

Das Ende der Bismarckzeit: Die Geschwister Otto, Amalie und Levin von Briest sehen der Wende zum neuen Jahrhundert entgegen und allen Verheißungen, die es mit sich bringt. Die Menschheit erobert den Himmel, die Flugpioniere begeistern die Massen. Gleichzeitig spalten politische Entwicklungen und nationalistische Tendenzen die Nation. Frauen treten jetzt für ihre Rechte ein, wollen ihre Zukunft selbst gestalten. Auch die Geschwister von Briest müssen sich entscheiden, welche Wege sie einschlagen. Als sie von einem geplanten Attentat auf die preußische Regierung erfahren, sind sie die Einzigen, die diesen Plan durchkreuzen können, und halten plötzlich das Schicksal des neuen Jahrhunderts in ihren Händen …

Der Verlag über den Autor

Richard Dübell, geboren 1962, lebt in Landshut. Als Autor von historischen Romanen stürmt er seit Jahren die Bestsellerliste. Inzwischen ist er aber auch als Krimi-Autor bekannt.

Meine Gedanken zum Buch

Die Romanhandlung setzt im Jahr 1891 ein und endet mit einem Epilog im Jahr 1909. Zwanzig Jahre sind vergangen, seit der Leser die Familie von Briest im ersten Teil der Jahrhundertsturm-Trilogie verlassen. Obwohl für die den Vorgängerroman nicht kennenden Leser die wichtigsten Zusammenhänge erklärt werden, ist es für das Verständnis und die umfassende Lesefreude vorteilhaft, diesen zuerst zu lesen. Hauptfiguren in „Jahrhunderttraum“ sind die Enkel Alvin von Briests. So wie einst Alvin für die Eisenbahn brannte, sind seine Enkel von der sich gerade entwickelnden Luftfahrt begeistert. Doch der Traum vom Fliegen bleibt lange eben nur ein Traum. Neben anderen Entwicklungen werden Lilienthals erste Flugversuche und Projekte Graf Zeppelins werden ebenso spannend wie interessant beschrieben. Dabei wird der Leser nicht mit technischen Details bombardiert, alles wird zwar hinreichend erklärt, gewinnt jedoch nie die Oberhand im Romangeschehen, sondern ist immer nur Beiwerk.

Aber nicht nur die technischen Entwicklungen der Zeit werden thematisiert. Ein wichtiger Bestandteil ist auch die gesellschaftliche Analyse der ausgehenden Bismarckzeit. Der Antisemitismus greift zunehmend um sich, angefeuert durch geschickte Propaganda und gestreute Tatsachenverfälschungen. Schuldzuweisungen sorgen für eine angeheizte Stimmung. Das Verknüpfen von historischem Geschehen, technischem Fortschritt, Reflexion der gesellschaftlichen Entwicklung und fiktiver Romanhandlung ist Richard Dübell auch in diesem Roman ausgesprochen gut gelungen. Er hat meisterlich erzählt und in dem über 700 Seiten umfassenden Roman keine Längen aufkommen lassen. So baute sich vor meinem inneren Auge ein umfassendes authentisches Zeitbild auf.

Aber auch Liebesgeschichten würzen die Romanhandlung. Am hervorstechendsten ist dabei wohl die Beziehung zwischen Amalie von Briest und Emma von Schley. So, wie ich die gesellschaftliche Akzeptanz der Ménage-à-trois im ersten Teil der Trilogie anzweifelte, fällt es mir schwer zu glauben, dass diese Liebe, die ja nicht wirklich geheim gehalten wurde, nicht mehr Anfeindungen ausgesetzt war. Nichts desto trotz bietet sie das Fundament, für die Thematisierung der aufstrebenden Frauenbewegung in Deutschland.

Die Personen wurden sehr treffend und glaubwürdig charakterisiert. Ihr Tun und Denken war einleuchtend und nachvollziehbar.

„Der Jahrhunderttraum“ ist ein sehr interessanter und ebenso unterhaltsamer Roman, gut durchdacht und intelligent aufgebaut, dazu ist er nicht nur leicht zu lesen, sondern auch noch sehr lesenswert. Wer wie ich die Verbindung von erzählter und erdachter Geschichte und einem faktischen historischen Rahmen sehr mag, wird bei diesem sehr gut aufgehoben sein.

Nun warte ich gespannt auf den letzten Teil dieser Trilogie und fiebere schon der neuen Thematik entgegen. Was könnte es sein? Die Entwicklung der Raumfahrt um Wernher von Braun, der Beginn der Computertechnik um Conrad von Zuse? Nun ja, ich werde mich überraschen lassen müssen.

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